Universitätsklinikum Freiburg fühlte sich zur Vertuschung berechtigt

13.08.2017:

Als Reaktion auf die Vorwürfe des Patientenverrats und der Vertuschung von Daten vor den zur Aufklärung der Dopingskandale am Universitätsklinikum und an der Universität Freiburg eingesetzten Untersuchungskommissionen reagierte das schwer beschuldigte Klinikum wie erwartet uneinsichtig. Man habe in Bezug auf den unter Aufgabe der ärztlichen Schweigepflicht genannten afrikanischen Läufer, der 2004 Patient in der Abteilung Sport- und Leistungsmedizin war, nur berichtet, was dieser zuvor selbst erklärt hatte, hieß es laut Der Sonntag, 13.08.2017 (http://img.der-sonntag.de/dso-epaper/pdf/DS_frs_13.08.2017.pdf).

 

Das stimmt aber so nicht. Die Angaben der Universität waren viel weitergehender, und zudem: Selbst wenn der Athlet von sich aus über etwaige Behandlungen gesprochen haben sollte, darf die behandelnde Einrichtung ohne vorliegen einer schriftlichen Einwilligung sich zu dem Vorgang in keinster Weise äußern. Sie darf noch nicht einmal den Namen des Patienten nennen. 

 

Auch dem Vorwurf, man habe wichtige Daten vertuscht und den eingesetzten Kommissionen vorenthalten, widersprach das Klinikum. Wiederum tat es das mit nicht überzeugenden, geradezu absurden Argumenten. Die Evaluierungskommission hätte ja fragen können, hieß es sinngemäß. Wahr bleibt dagegen: Alle verfügbaren Daten hätten den eingesetzten Kommissionen durch Universitätsklinikum bzw. Universität von sich aus bereit und zur Auswertung zur Verfügung gestellt werden müssen. Alles andere, so sehe ich es jedenfalls, war klare Vertuschung!

 

Universität und Klinikum Freiburg verletzen Patientenrechte: "Vorgang Ausdruck vorangegangener Vertuschung" (7. August 2017)

Mit der Bekanntgabe eines Patientennamens und von Einzelheiten zu vorgenommenen Behandlungen dieses Patienten am Universitätsklinikum Freiburg im Jahr 2004 haben der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Freiburg und der Rektor der Universität Freiburg Ende vergangener Woche vermutlich sehr schwerwiegend gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen. Zugleich machte der Vorgang deutlich, dass die jetzt der Öffentlichkeit vermutlich rechtswidrig übermittelte Information zuvor den zuvor eingesetzten und in ihrer Arbeit teils systematisch behinderten Untersuchungs-Kommissionen vorenthalten worden ist. Die beiden Kommissionen hätten noch wesentlich tiefgreifender graben können, als ihnen dies angesichts der immer wieder destruktiven Haltung von Auftraggeberseite möglich war.

 

Gegen die mutmaßlichen Rechtsverletzungen wurde Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Freiburg gegen die Klinikumsleitung und den Rektor der Universität gestellt. Der mutmaßliche Bruch von ärztlichen Verschwiegenheitspflichten durch Klinikumsdirektor Prof. Siewert wurde bei der Bezirksärztekammer Südbaden angezeigt. Pressemitteilungen und Anzeigeschreiben sind nachfolgend abgedruckt. 

Das Universitätsklinikum Freiburg erklärte am 7. August 2017, dass der Rektor der Universität sich zu dem Sachverhalt entgegen der hier noch am 8. August rekonstruierbaren SWR-Meldung nicht geäußert habe. Der Link führt inzwischen zu einer Meldung, in der nicht mehr vom Rektor, sondern von Klinikchef Siewert als Quelle die Rede ist.

"Universität Freiburg darf Hauptgutachten zur Dopinggeschichte nicht selbst veröffentlichen" - Medieninformation Dr. Andreas Singler zur Beendigung der Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg vom 14.03.2017

Die Universität Freiburg darf die wissenschaftlichen Hauptgutachten zu ihrer Dopingvergangenheit über Professor Joseph Keul und Professor Armin Klümper nicht selbst veröffentlichen. Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Freiburg und dem verantwortlichen Autor Andreas Singler ist ab sofort beendet. Medienvertreter, die an einer inhaltlichen Berichterstattung interessiert sind, können die Gutachten einsehen. Damit soll dem öffentlichen Interesse an den Arbeitsergebnissen entsprochen werden. Die Publikation der Texte wird auf anderem Wege erfolgen.

 

Nach der Publikation zweier wissenschaftlicher Gutachten zur Dopinggeschichte an der Universität Freiburg ist die Veröffentlichung weiterer vorliegender Arbeiten bislang u.a. an unterschiedlichen Vorstellungen darüber gescheitert, ob und in welchem Umfang der Auftraggeber für die Arbeit an diesen und an drei weiteren noch unpublizierten Gutachten zur Zahlung von Honoraren verpflichtet ist. Darüber kam es zu einem Einigungsgespräch zwischen beiden Parteien, das aber nicht zum Erfolg führte. 

 

Nach Vorlage eines letzten, aber nicht einmal annähernd ausreichenden Angebots vom 27.02.2017 durch die Anwälte von Rektor Hans-Jochen Schiewer und mit Verstreichen eines in dem Anwaltsschreiben genannten Ultimatums am 13.03.2017 sind die Bemühungen um eine gütliche Einigung nunmehr laut Universität "endgültig gescheitert". Diesen Beschluss der Universität Freiburg nehme ich zur Kenntnis. Somit ist als logische Konsequenz daraus auch die Durchführung der noch erforderlichen Arbeiten an den wissenschaftlichen Gutachten für die Universität und die Zustimmung zur Publikation durch den Auftraggeber nicht mehr möglich.

 

Die Publikation der Gutachten muss nun auf anderem Wege erfolgen. Meine Berichtspflichten sind mit Abgabe der Gutachten bis zum September 2015 ohnehin bereits vollständig erfüllt worden. Es steht der Universität frei, aus den ihr vorliegenden Arbeitsergebnissen geeignete Schlüsse zu ziehen. Einen Anspruch auf unbezahlte Mehrarbeit kann die Universität aus vorangegangenen Beschäftigungsverhältnissen nicht ableiten, schon gar nicht über derart lange Zeiträume. Dies gilt umso mehr, als die abgeschlossenen Verträge nach nachträglicher arbeitsrechtlicher Überprüfung zweifellos sittenwidrig waren, denn sie schlossen die Zahlung von Honoraren im Krankheitsfalle oder von gesetzlich geregelten Urlaubsentgelten aus und regelten insgesamt ein eher prekäres arbeitnehmerähnliches Arbeitsverhältnis auf eine für einen so langen Zeitraum unzulässige Art.

 

Nach meinem Eindruck versuchte die Universität nicht einmal ansatzweise, eine Verhandlung über selbstverständlich zu honorierende Tätigkeiten im Zusammenhang mit der redaktionellen und rechtlichen Weiterbearbeitung der Gutachten auf Augenhöhe zu führen. Die nachträglich von der Universität angebotenen geringfügigen Honorare für bereits geleistete umfangreiche Mehrarbeit und noch zu leistende Arbeiten stellen aus meiner Sicht geradezu eine Brüskierung dar und bringen fehlenden Respekt für das Geleistete zum Ausdruck. Dies gilt umso mehr, als die unerträglich lange Dauer der bis heute noch immer nicht endgültig abgeschlossenen juristischen Prüfung der Gutachten durch den Rektor und den von ihm verursachten Skandal um einen früheren Anwalt von Professor Armin Klümper verschuldet worden ist (Stichwort "Befangenheitsskandal", vgl.

 

http://www.deutschlandfunk.de/universitaet-freiburg-rektor-schiewer-gibt.680.de.html?dram:article_id=347974). 

 

Damit wichtige Ergebnisse trotzdem zeitnah mitgeteilt werden können und dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit entsprochen werden kann,  biete ich als verantwortlicher Autor Medienvertretern, die ein Interesse an einer inhaltlichen Berichterstattung haben, die Übersendung der Texte zur eigenverantwortlichen Berichterstattung an. Dies gilt zunächst für das Gutachten "Joseph Keul: Wissenschaftskultur, Doping und Forschung zur pharmakologischen Leistungssteigerung" (Singler/Treutlein 2015). Die beiden dann noch ausstehenden Gutachten zu Prof. Armin Klümper können in nächster Zeit ebenfalls für eine Berichterstattung vorbereitet werden, sollten Medien daran Interesse anmelden.

 

Die mir gegenüber vorgetragenen Einwände der Universität, mit einer solchen Reaktion würde gegen angebliche Verschwiegenheitspflichten verstoßen, greifen nicht. Auch die im Anwaltsschreiben vom 27.02.2017 anklingende Androhung rechtlicher Schritte mir gegenüber vermag nicht zu überzeugen. Die Universität selbst hat in einer Pressemitteilung vom 2. März 2016 ("Unabhängigkeit der Evaluierungskommission stets gewahrt";  https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2016/pm.2016-03-02.29) schließlich die Möglichkeit öffentlich dargestellt, dass es den Autoren letztlich frei stehe, "ihre Gutachten in der ursprünglichen Fassung auf eigenes Risiko selbst zu veröffentlichen".

 

 Mainz, den 14.03.2017 

 

 

Dr. Andreas Singler 

 

Die leicht kontrafaktische Stellungnahme der Universität:

https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2017/universitaet-fordert-veroeffentlichung-der-gutachten

 

Richtigstellung gegenüber dem Deutschlandfunk:  

 

"Wenn jemand sagt, ich hätte nur unter der Bedingung, 100.000 Euro zu erhalten überhaupt einer Publikation zugestimmt, dann ist das eine klare Lüge."

 

Zur nächsten unwahren Behauptung, der juristische Prüfprozess aller Gutachten sei bereits abgeschlossen:

 

"Dieser ganze Prüfprozess ist bis heute nicht abgeschlossen. Der Rektor hat es bis heute nicht geschafft, Prüfergebnisse vorzulegen bis zum letzten Gutachten."

 

http://www.deutschlandfunk.de/sportmedizin-freiburg-streit-um-veroeffentlichungen.890.de.html?dram:article_id=381259

 

Schreiben an Rektor Schiewer vom 15. März 2017: "Sie sollten sich schämen."

Sehr geehrter Herr Professor Schiewer,

 

über die von Ihnen veranlasste Pressemitteilung vom gestrigen Tage muss ich mich doch sehr wundern.

 

Sie haben nicht nur mit der Veröffentlichung von vertraulichen Informationen aus Verhandlungen über mögliche Honorar-vereinbarungen eine rote Linie überschritten. Sie haben insbesondere durch die kontrafaktische Darstellung, ich sei nur durch Zahlung einer Summe von 100.000 Euro zur Übergabe weiterer Gutachten zu bewegen gewesen, die Öffentlichkeit in die Irre geführt. Für mich ist diese Ihre bzw. in Ihrem Auftrag verbreitete Behauptung eine klare und bewusst gesetzte Lüge, und Sie wissen das auch! Sie ist einzig dazu gewählt worden, mich als geldgierig erscheinen zu lassen und meinen Ruf als Wissenschaftler in der Öffentlichkeit zu ramponieren. Ich nehme Ihnen das persönlich sehr übel.

 

Alleine die Tatsache, dass ich am 2. Februar 2017 mir die Mühe gemacht habe, mit meinem Rechtsanwalt nach Freiburg zu kommen und mich dort mit Ihnen und Ihrer Armada an Rechtsberatern, Anwälten und Kommunikations-Mitarbeitern um eine gütliche Einigung zu bemühen, macht schon deutlich, wie falsch und verlogen die von Ihnen verantwortete Darstellung gegenüber der Öffentlichkeit nun ist. Natürlich bin ich davon ausgegangen, dass eine Einigung nicht darin bestehen würde, die Maximalforderung durchzusetzen, auch wenn für deren Erhebung durchaus nach wie vor überzeugende Gründe bestehen. Umgekehrt bin ich davon ausgegangen, dass auch Sie sich deutlicher bewegen würden, weil Sie genau diesen Eindruck versucht haben, in vorangegangenen Schreiben zu erwecken.

 

Noch gestern hatte ich Ihnen zu Ihrem unaufrichtigen Verhalten in diesem ganzen gescheiterten Einigungsprozess geschrieben: „Ich kann Ihnen den Vorwurf nicht ersparen, dass ich mich durch Sie in mehrfacher Hinsicht getäuscht sehe. Sie haben in klarer Kenntnis meiner Vorstellungen mir gegenüber den Eindruck erweckt, dass eine Einigung quasi reine Formsache sei, wenn ich nur vorher das Keul-Gutachten übersenden würde. Auch hatten Sie zwischenzeitlich mitgeteilt, dass man sich über die Höhe der noch zu leistenden Zahlungen erst nach Abschluss aller Arbeiten verständigen könne und so abermals den Eindruck erweckt, dass eine gütliche Einigung auf wirklicher Augenhöhe stattfinden könne.“

 

Ihre Bemerkung, dass für zusätzliche Zahlungen keine Rechtsgrundlage bestehe, überzeugt mich nicht. Sie wird auch die von Ihnen instrumentalisierte Öffentlichkeit nicht überzeugen. Wenn Sie diesem Gedanken stringent folgen, dann hätten Sie auch nicht unverlangt und ohne vorangegangene (im übrigen bis heute nicht erfolgte) Rechnungsstellung im vorigen Herbst jene 8000 Euro auf meinem Bankkonto abgeladen, mit denen Sie jetzt hausieren gehen. Ich habe Vergleichbares in meinem etwa 30-jährigen Berufsleben im Übrigen noch nie erlebt.

 

Wenn es für zusätzliche Zahlungen aber, wie Sie ausgeführt haben, keine Rechtsgrundlage gibt, dann sollten Sie die Frage beantworten, ob für diese unverlangt geleistete Zahlung oder für das Angebot auf weitere geringfügige Zahlungen eine Rechtsgrundlage besteht. Ansonsten hätten Sie ja nun Vorwürfe der Untreue zu Lasten der Universität abzuwehren.

 

Ich appelliere dringend an Sie, im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen bei der Wahrheit zu bleiben. Berücksichtigen Sie bitte bei Ihren Bemühungen, mich öffentlich als geldgierig zu denunzieren, in Zukunft neben dem Umstand, dass ehrliche, aufwendige wissenschaftliche Arbeit eben Geld kostet, auch den Umstand, dass ich seit langem Verdienstausfälle kompensieren muss. Da ich noch immer und weitgehend unbezahlt an die Universität Freiburg gebunden bin, vermag ich als Publizist aber auf meinem sportwissenschaftlichen Fachgebiet „Doping“ nicht gleichzeitig tätig zu sein und kann daher auf diesem Sektor keine Einkünfte erwirtschaften. Mein Engagement für Sie hat mich in den letzten zwei Jahren mehr Geld gekostet als es eingebracht hat.

 

Ich rate Ihnen: Gerade der Leiter einer wichtigen wissenschaftlichen Institution sollte sich der Wahrheit doch besonders verpflichtet fühlen. Sie haben mit Ihrer unerträglichen Entgleisung nicht nur mich und mein Ansehen in der Öffentlichkeit beschädigt, sondern auch die Würde und das Ansehen einer altehrwürdigen Universität. Sie sollten sich schämen.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Andreas Singler

 

Universität Freiburg rudert zurück - und dreht sich im Kreis...

https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2017/andreas-singler-ist-von-forderung-nicht-abgerueckt

 

Interview in der taz am 16.03.2017:

"Bevor ich für die Uni noch einmal tätig werde, müssen die finanziellen Bedingungen eindeutig geklärt sein."

http://www.taz.de/!5389583/