"Fukushima erzählt" - Ein Oral-History-Projekt

Kanno Mizue: "An alle Menschen, die gemeinsam auf diesem Planeten leben"
Kanno Mizue zog erst kurz vor dem Atomunfall von Fukushima mit ihrem Mann in dessen Heimat Namie. Dort hatten sie ein 180 Jahre altes Bauernhaus renoviert. Seither lebt sie an ihrem Zufluchtsort in der Präfektur Hyôgo. Sie engagiert sich für das Erinnern an die Atomkatastrophe und das Ende der Atomkraft. Anlässlich des 11. Jahrestages des Atomunfalls verfasste sie diese Botschaft:

Hayakawa Tokuo: „Die Geschichte der Atomkraft ist die Geschichte eines Amoklaufs“
Der Mönch Hayakawa Tokuo 早川篤雄 aus Naraha-machi, 16 km vom AKW Fukushima Daiichi entfernt, kämpft seit einem halben Jahrhundert gegen Atomkraft. Der Atomunfall von Fukushima 2011 habe sich zwangsläufig ereignet, sagte der heute 82-jährige Vorsteher des buddhistischen Tempels Hôkyô-ji 宝鏡寺. Die Geschichte der Atomkraft in seinem Land sei die Geschichte eines Amoklaufs. Gelernt habe die Regierung selbst nach dem Atomunfall nichts. Teil 3 des Oral-History-Projekts "Fukushima erzählt".

Die Ästhetik des Widerstandes: Zum Tod des Dichters und Atomkraftgegners Wakamatsu Jôtarô
Wie wenige andere verkörperte er die Ästhetik des Widerstandes: Jahrzehntelang hat Wakamatsu Jôtarô 若松丈太郎 (1935 - 21. April 2021) in Gedichten, Essays und Artikeln vor den Gefahren der Atomkraft gewarnt. Nach der Tschernobyl-Katastrophe sagte er ein ähnliches Ereignis für seine Heimat Fukushima immer wieder voraus. In einem Gespräch mit Andreas Singler aus dem Jahr 2018 gibt Wakamatsu Auskunft über seine Wurzeln im Japan des 2. Weltkriegs und seinen unbändigen Hang zum freien Denken.

Mönch Tanaka Toku'un: "Und doch glaube ich, dass es Wandel im Herzen der Menschen gibt"
Am 11. März 2021 jährt sich mit dem "Großen Ostjapanische Erdbeben" (Higashi-Nihon daishinsai 東日本大震災) eine historisch beispiellose Dreifachkatastrophe aus Beben, Tsunami und dem Atomunglück von Fukushima zum zehnten Mal. Zum Auftakt des Oral-History-Projekts "Fukushima erzählt" (Fukushima ga kataru 福島が語る) berichtet der buddhistische Mönch Tanaka Toku'un von seiner Flucht, von seinen Bedenken in Bezug auf die Atomkraft bereits vor der Katastrophe und seiner Hoffnung auf den Atomausstieg.