Anti-Atomkraft-Bewegung in Japan

Geplanter Bau des AKW Kaminoseki: Fischer von Iwaishima verhindern Bohrungsarbeiten auf See
Die Fischer der kleinen Insel Iwaishima in der Japanischen Inlandsee haben es wieder einmal geschafft. Energieversorger Chûgoku Denryoku hat aufgrund der Proteste und Störaktionen seine Vorbereitungsarbeiten für den Bau des Atomkraftwerks Kaminoseki zunächst eingestellt bzw. "temporär verschoben". Die Pläne des Unternehmens konterkarieren indessen Japans Olympia-Inszenierung als supernachhaltige "Wasserstoff-Nation" und entlarven diese als typisch olympisches Doublespeak.

Am zehnten Gedenktag der japanischen Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 haben sich fünf ehemalige Ministerpräsidenten für einen Atomausstieg Japans ausgesprochen. Sie wendeten sich explizit auch gegen das Narrativ von der Atomkraft als Klimaschutzmaßnahme. "Zögere nicht, deine Fehler zu korrigieren", sagte Ex-Premier Koizumi Jun'ichirô.
Japans Atomkraftwerken droht wegen unzureichender Anti-Terror-Maßnahmen die Abschaltung. Keiner der nach dem Atomunfall von Fukushima wieder angefahrenen Meiler erfüllt laut Atomkontrollkommission momentan die erforderlichen aktuellen Sicherheitsbestimmungen. Bei deren Anwendungen würde bald wohl kein einziger Meiler mehr in Europa am Netz bleiben können.

Japans Justiz sieht sich häufig heftiger Kritik ausgesetzt, die immer wieder Zweifel an der modernen Rechtsstaatlichkeit des Landes aufkommen lassen. Nun hat das Obergericht Hiroshima, vergleichbar mit einem Oberlandesgericht in Deutschland, am 17. Januar mit einer Einstweiligen Verfügung die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme des Meilers 3 im Atomkraftwerk Ikata (Präfektur Ehime) auf der Insel Shikoku außer Kraft gesetzt. Das Urteil kommt einer Sensation gleich.
In Kürze will Japans Atomkraft-Industrie den lange gehegten Traum der Regierung vom Brennstoffkreislauf vollenden. Eine Gruppe von Gläubigen verschiedener Religionen - unter ihnen bekannte buddhistische Mönche, die seit langem gegen Atomkraft kämpfen wie Tanaka Tokuun (siehe Foto) - zieht nun dagegen vor Gericht.

Anti-Atomkraft-Bewegung in Japan · 29. Dezember 2019
Tanaka Shun’ichi, frühere Vorsitzender der Atomkraft-Kontroll-Kommission, ärgert sich über den neuerlichen Vertrauensschwund der Branche durch die Korruptionsaffäre, in die zahlreiche Provinzpolitiker und Mitarbeiter des Energieunternehmens Kansai Denryoku (Kanden/KEPCO) verwickelt sind. „In dieser Form sieht die Atomkraft wahrscheinlich ihrem vollständigen Verschwinden entgegen“, so erklärte er im Interview mit der Zeitung Fukui Shimbun (11.12.2019).
Anti-Atomkraft-Bewegung in Japan · 16. Dezember 2019
Die wochenlangen Proteste der Fischer der Insel Iwaishima waren erfolgreich: Das Energieunternehmen Chûgoku Denryoku hat nach einem Bericht der Zeitung Chûgoku Shimbun am 16. Dezember die vorläufige Einstellung von Voruntersuchungen für den geplanten Bau des AKW Kaminoseki bekanntgegeben. Damit werden die Bohruntersuchungen, mit denen die Existenz von aktiven Erdbebenbruchlinien ausgeschlossen werden soll, auf unbestimmte Zeit verschoben.

Anti-Atomkraft-Bewegung in Japan · 16. November 2019
Die Proteste der lokalen Bevölkerung gegen Vorarbeiten zum Bau des geplanten Atomkraftwerks Kaminoseki gehen weiter. Auch am Freitag verhinderten Fischer vorbereitende Messungen zu Probebohrungen.

Anti-Atomkraft-Bewegung in Japan · 11. November 2019
Erstmals seit dem Atomunfall von Fukushima 2011 hat der japanische Eneregieversorger Chûgoku Denryoku in Kaminoseki-cho (Präfektur Yamaguchi) wieder mit Vorarbeiten zum geplanten Bau eines Atomkraftwerks begonnen. Die lokale Bevölkerung ist empört.

Eine Klägergruppe aus Hiroshima, unter Ihnen auch zahlreiche Atombombenüberlebende, streitet derzeit vor dem Distrikgericht Hiroshima für die Stilllegung des AKW Ikata auf der japanischen Hauptinsel Shikoku. Beim Verhandlungstag am 15. Mai 2019 verlas der Ingenieur Morimoto Michito (Bildmitte) eine Meinungserklärung vor Gericht, die er auch für den Abdruck und die Übersetzung auf dieser Website autorisierte.

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