"Nariwai-Prozess": Harte Kritik am Urteil des Obersten Gerichtshofes
Im sogenannten "Nariwai-Prozess" hat der Oberste Gerichtshof in Tôkyô am 17. Juni ein für die rund 3850 Kläger*innen enttäuschendes Urteil gesprochen: Eine Mitschuld des Staates an dem nach wie vor nicht beendeten Atomunfall von Fukushima 2011 war für drei der vier Richter*innen nicht auszumachen. Die Urteilsbegründung stößt weithin auf Unverständnis. "Das Urteil wird als Schandfleck in die japanische Rechtsgeschichte eingehen", kommentierte der puluäre Journalist Kanehira Shigenori.

Japans Verteidigungsministerium kategorisierte Friedensdemos als Vorstufe eines bewaffneten Angriffs
Politics in Japan · 31. März 2022
Japan und die Demokratie: Kritische Stimmen warnen immer wieder vor einem Niedergang der demokratischen Kultur Nippons. Jüngster Anlass bietet ein vor zwei Jahren erstelltes Papier des Verteidigungsministeriums, in dem Anti-Kriegs-Demonstrationen als Vorstufe zu Terror und militärischer Bedrohung kategorisiert wurden. Der kommunistische Oppositionspolitiker Kokuta Kenji stellte dazu im Auswärtigen Ausschuss des Japanischen Unterhauses unbequeme Fragen und kritisierte die Vernichtung des Papiers.

Kanno Mizue: "An alle Menschen, die gemeinsam auf diesem Planeten leben"
Kanno Mizue zog erst kurz vor dem Atomunfall von Fukushima mit ihrem Mann in dessen Heimat Namie. Dort hatten sie ein 180 Jahre altes Bauernhaus renoviert. Seither lebt sie an ihrem Zufluchtsort in der Präfektur Hyôgo. Sie engagiert sich für das Erinnern an die Atomkatastrophe und das Ende der Atomkraft. Anlässlich des 11. Jahrestages des Atomunfalls verfasste sie diese Botschaft:

Hayakawa Tokuo: „Die Geschichte der Atomkraft ist die Geschichte eines Amoklaufs“
Der Mönch Hayakawa Tokuo 早川篤雄 aus Naraha-machi, 16 km vom AKW Fukushima Daiichi entfernt, kämpft seit einem halben Jahrhundert gegen Atomkraft. Der Atomunfall von Fukushima 2011 habe sich zwangsläufig ereignet, sagte der heute 82-jährige Vorsteher des buddhistischen Tempels Hôkyô-ji 宝鏡寺. Die Geschichte der Atomkraft in seinem Land sei die Geschichte eines Amoklaufs. Gelernt habe die Regierung selbst nach dem Atomunfall nichts. Teil 3 des Oral-History-Projekts "Fukushima erzählt".

Friedensapostel Bach lässt Hiroshima auf Kosten sitzen
Tokyo 2020  · 16. November 2021
Die Reise von IOC-Präsident Thomas Bach am 16. Juli nach Hiroshima stieß - inmitten der dramatischsten Phase der Coronakrise in Japan - auf wenig Gegenliebe. Bach instrumentalisiere das Leid der Atombombenopfer für die dem IOC nachgesagten Ambitionen auf den Friedensnobelpreis, hieß es. Bach predigte gesellschaftliche Solidarität als Basis für Frieden in Hiroshima. Nun kommt heraus: Das IOC ließ die Stadt - trotz einer Bitte um Übernahme - auf Kosten des Besuchs sitzen.

Japans Premier Kishida: Kaum im Amt, schon unter Verdacht
Politics in Japan · 18. Oktober 2021
Kurz vor den Parlamentswahlen in Japan wird die regierende Liberaldemokratische Partei des neuen Premiers Kishida Fumio von einem Skandal erschüttert, der den jüngsten Ereignissen in Österreich in nichts nachsteht. Sie soll über eine Briefkastenfirma einen rechtsgerichteten, anonymen Twitteraccount (@Dappi2019) finanziert haben, der diffamierende Aussagen und Fakenews über politische Gegner verbreitet. Kishida selbst soll dem dubiosen Unternehmen einst vorgestanden haben.

Japanische Regierung will Atommüll ins Ausland  verschicken
Politics in Japan · 07. Oktober 2021
Mitte der 2020er Jahre beginnt in Japan der Abriss von zwei Dutzend Atomkraftwerken. Teile des bei den Stilllegungsarbeiten anfallenden Atommülls will die Regierung ins Ausland verbringen. Dies verstieße allerdings gegen nationales Recht. Das Wirtschaftsministerium prüft daher derzeit eine Revision der geltenden Bestimmungen.

Leseempfehlung "Japanische Literatur nach Fukushima: Sieben Exkursionen"
Fukushima · 19. August 2021
Nach der nordostjapanischen Dreifachkatastrophe von 2011 rückte die Japanologie-Professorin Lisette Gebhardt das Atomunglück von Fukushima ins Zentrum ihrer literatur- und kulturwissenschaftlichen Japanforschung an der Universität Frankfurt am Main. Zahlreiche Publikationen sind daraus hervorgegangen. Nun ist mit dem Band "Japanische Literatur nach Fukushima: Sieben Exkursionen" ein weiteres Werk erschienen.

Horrente Anwaltskosten im Tôkyô 2020-Bestechungsskandal: Die Zeche zahlt das JOC
Tokyo 2020  · 11. August 2021
Gegen den früheren Vorsitzenden des Bewerbungskomitees von Tôkyô 2020, Takeda Tsunekazu, wird noch immer in Frankreich wegen des Bestechungsverdachts ermittelt. Nun wurde bekannt: Über 1,5 Millionen Euro an Anwaltskosten fielen bislang dafür an. Und das Japanische Olympische Komitee bezahlt alles.

Das Prinzip der "Genesung zu Hause":  Angesichts explodierender Corona-Zahlen meldet Japans Premierminister Suga gesundheitspolitisch Insolvenz an
Tokyo 2020  · 04. August 2021
Die Olympischen Spiele in Tôkyô neigen sich ihrem Ende zu. Die Corona-Krise in Japan indessen verschärft sich weiter. Premierminister Suga sorgt mit einer neuen Richtlinie für landesweite Empörung: dem "Prinzip Genesung zu Hause" (gensoku jitaku ryôyô 原則自宅療養). Sie stellt nichts weniger als eine politische Form der Triage und einen gesundheitspolitischen Offenbarungseid dar.

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