Kanno Mizue: "An alle Menschen, die gemeinsam auf diesem Planeten leben"

Kanno Mizue (*1952) zog erst kurz vor dem Atomunfall mit ihrem Mann in dessen Heimat Namie. Im Stadtteil Tsushima, 27 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt, renovierten sie ein 180 Jahre altes Bauernhaus. Nach dem 11. März 2011 gehörte Tsushima dann zu den am stärksten verstrahlten Gebieten. Seither lebt sie an ihrem Zufluchtsort in der Präfektur Hyôgo. Von Zeit zu Zeit kehrt sie zurück, um nach dem Haus zu sehen und um die Gräber der dort ruhenden Familienangehörigen und Freunde zu pflegen. Sie engagiert sich für das Erinnern an die Atomkatastrophe, das Ende dieser Hochrisikotechnologie und im Kampf für die rechtliche Aufarbeitung des vor allem durch menschliches und institutionelles Verschulden entstandenen Unglücks. Anlässlich des 11. Jahrestages des Atomunfalls von Fukushima verfasste Sie diese Botschaft: 

 

An alle Menschen, die gemeinsam auf diesem Planeten leben

Von Mizue Kanno

Die Menschheit hat nichts vom Atomunfall in Tschernobyl gelernt, und ich wundere mich, dass selbst das Land, in dem sich diese Katastrophe ereignet hat, auch heute noch von der Atomkraft abhängt.

 

Und obwohl unser Land, Japan, so klein und darüber hinaus eine stark gefährdete Erdbebennation ist, sind hier viele Atomkraftwerke in Betrieb gegangen. Aber anstatt nach jenem Unfall vom 11. März die Atomkraft, wie es angemessen gewesen wäre, zu beenden, zerreißt Japan gegen den Willen vieler Bürger*innen die auf 40 Jahren Laufzeit beruhende Konzession und erlaubt den Betrieb von Atomkraftwerken für weitere 20 Jahre.    

 

Ich mache das Risiko der Atomkraft nicht nur an Erdbeben- und Tsunami-Prognosen fest. Das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, in dem sich der Unfall ereignet hat, bringt jeden Tag große Menge an kontaminiertem Wasser hervor, und dieses soll ins Meer eingeleitet werden. Dafür, diesen gesamten durch das Meer verbundenen Planeten zu verschmutzen, empfindet die japanische Regierung keinerlei Scham oder Verantwortung. Viele Bürger*innen schweigen dazu mitnichten und sprechen sich klar dagegen aus. Überall im Land werden die Menschen nicht müde, darüber wieder und wieder auf die Regierung einzuwirken. 

 

Also überlegen Sie bitte, ob Sie wirklich in jedem Land der Erde Atomkraft benötigen und ob es gut ist, Ihren Enkeln strahlenden Atommüll zu hinterlassen. Atomkraft hat den Menschen keine reichhaltige Zukunft beschert. Viele von Ihnen führen heute ein Leben, wie ich es bis zum 10. März 2011 ebenfalls geführt hatte. Ich lebe seit dem 11. März 2011 ein völlig anderes Leben. Und ich hoffe inständig, dass es Ihnen nicht so ergehen wird wie mir. Darüber nachdenkend, wie wir gemeinsam auf dieser Welt leben können, möchte ich, dass wir eine Welt schaffen, die sich nicht mehr auf Atomkraft verlässt. 

 

この星で共に生きる皆さんへ

菅野みずえさんのメッセージ

チェルノブイリの事故から学ばなかった人間は、その被害国でさえも原発依存の国となっていることに驚きます.

 

わたしたちの日本も狭い、しかも地震大国に原発を沢山稼働させてきました。 あの、3.11の事故後、同じ様に原発を止めるどころか、多くの国民の反対を押し切って、稼働40年の約束を破り、更に20年稼働させることにしたのです。

 

地震と津波の被害予測に原発をリスクにあげようともしません。 事故を起こした東電福島第一原発からは日々多量の汚染水が生まれ、その汚染水を海に流そうとしています。 海で繋がるこの地球全てを汚染させることに、日本政府は何ら恥じることも責任も取りません。 これを多くの国民は黙って許す事はありません。政府交渉を重ね、日本の各地で人々は頑張っています。 どうぞ世界のみなさんが、日本政府に間違っていると伝えてください。 

 

そしてそれぞれの国で原発は本当に必要か、核のゴミを子孫に遺して良いのか考えてください。 原発は豊かな未来なんてもたらしませんでした。 多くの皆さんは、わたしが生きるはずだった2011.3.10の続きを生きておられます。 わたしはは2011.3.11を踏み越え全く違う人生を生きています。 あなたがわたしにならないようにと願います。 ご一緒に暮らし方を考えながら、原発に頼らない地球を作っていきたいと思います。

 

 


Anmerkung: In Kürze erscheint als Teil 4 des Oral-History-Projekts "Fukushima erzählt" ein Interview mit Kanno Mizu  auf dieser Seite.

 

Literatur über Kanno Mizue

 

原発事故で失った「豊かな暮らし」: 福島県浪江町(帰還困難区域)から避難して 菅野みずえさん講演録 

 

 

福祉の仕事で35年働き 東電の原発事故で人生が変わってしまった 菅野みずえさんのお話

福島県浪江町に住み長年福祉の仕事をされていた菅野みずえさんは、2011年3月11日の東電の福島第一原発事故によって、被ばくと避難を強いられ、現在も兵庫県で避難生活を余儀なくされています。みずえさんの家のある地域は、強い汚染のため、今も帰還困難区域です。みずえさんは原発事故によってどんな体験をしたのか、どんな症状が出たのか、原発事故で避難するとはどのようなことなのか。本書はアイリーン・美緒子・スミスさんが丁寧に聞き取った貴重な記録です。「皆さんはあの3月10日に続く今日を生きている。でも私たちは、あの3月11日を踏み越えて全く違った今日を生きている。原発賛成でも反対でも被ばくは関係がない。みんな被ばくするの。原発賛成の人もこの被ばくの話を聞いてほしい。」(菅野みずえ)


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