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TEPCO verschiebt wegen Tôkyô 2020 Aufräumarbeiten im AKW - auf Kosten der Arbeiter

Der Energieversorger Tôkyô Denryoku (TEPCO) will besonders gefährliche Arbeiten im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ab morgen aussetzen. Nach Angaben des Unternehmens soll damit vermieden werden, dass eventuelle Störfälle die Olympischen Spiele beeinträchtigen. Die verlorene Zeit muss u.a. während ders O-bon-Festes, inmitten der unerbittlichen Augusthitze, aufgeholt werden, kritisiert ein Subunternehmer von TEPCO gegenüber der Tôkyô Shimbun. Das gehe auf Kosten der Sicherheit.

 

Der Energieversorger Tôkyô Denryoku (TEPCO) wird jeweils einen Teil der Aufräumarbeiten im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi bis nach den Olympischen und Paralympischen Spielen in Tôkyô verschieben. Dies betrifft nach Recherchen der Zeitung Tôkyô Shimbun (15. Juli 2021) Schweißarbeiten und andere mit Feuer verbundene Tätigkeiten oder die Trümmerbeseitigung, bei der zu befürchten ist, dass radioaktive Partikel aufgewirbelt werden. „Wir denken dabei an die Auswirkungen im Fall von Störfällen, die von Arbeiten im Atomkraftwerk während eines weltweiten Events ausgehen könnten“, erklärte ein Pressesprecher von TEPCO.

 

Das wird die einheimische Bevölkerung zweifellos mit gemischten Gefühlen hören. Sie muss mit einer  augenscheinlich existierenden Gefährdungslage jeden Tag leben, die ihr gegenüber immer ganz anders dargestellt worden ist. Laut TEPCO sollen die Arbeiten, die offenbar besonders geeignet sind, Störfälle (toraburu) hervorzurufen, zunächst vom  21. Juli bis zum 8. August ruhen und dann wieder zwischen dem 23. August und 5. September. Wahnsinnig beruhigend: Der im Reaktor noch befindliche geschmolzene Kernbrennstoff solle aber durchgehend gekühlt werden. Die Aufbereitung des kontaminierten Kühlwassers, werde ebenfalls fortgesetzt, hieß es. Wie Ex-Premier Abe Shinzô seinerzeit in Buenos Aires sagte: "It's under control." 

 

Die Verlegung durch Tôkyô 2020 gehe auf Kosten der Arbeiter und auf Kosten der Sicherheit, kritisiert dagegen ein Subunternehmer von TEPCO. Denn als Ausgleich für die Verzögerung der Arbeiten fallen für viele der Arbeiter die O-bon-Ferien zwischen dem 13. und 15. August aus. O-bon ist ein dreitägiges buddhistisches Fest, bei dem der verstorbenen Ahnen gedacht wird. Es ist eines der wichtigsten Feierlichkeiten in Japan und auch ein großes Familienfest. „Wir müssen in der größten Sommerhitze während des O-bon-Festes Arbeiter bereit stellen und danach in der unerbittlich anhaltenden Hitze auch noch die Verzögerungen der Arbeiten durch Olympia kompensieren“, beklagte sich der Leiter des Subunternehmens im Gespräch mit Katayama Natsuko, der Reporterin der Zeitung. „Dadurch treten leichter Unfälle auf.“

 

Rund 4000 Menschen arbeiten im havarierten Atomkraftwerk. Bereits während des umstrittenen Fackellaufes, der in der Präfektur Fukushima unweit des Atomkraftwerks eröffnet wurde, waren die Arbeiten temporär unterbrochen worden.

 


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