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Kontaminiertes Kühlwasser in Fukushima: Erzeuger- und Konsumenten-Verbände gegen Regierungspläne

Ein 22 Gruppen umfassender „Genossenschaftsrat zur Förderung der Bewegung lokalen Konsums lokal hergestellter Produkte Fukushima“ (Chisan-Chishô Undô Sokushin Fukushima Kyôdô Kumiai Kyôgikai  地産地消運動促進ふくしま協同組合協議会) – bestehend aus Unternehmen und Konsumentenorganisationen – hat in einer gemeinsamen Erklärung den Plänen des japanischen Staates und des Energieunternehmens Tôkyô Denryoku (TEPCO) widersprochen, radioaktiv verseuchtes Kühlwasser für das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in den Pazifischen Ozean einzuleiten.

 

„Solange wir nicht völlige Gewissheit darüber haben, dass diese Pläne den Wiederaufbau der gesamten Wirtschaft in der Präfektur nicht aufgrund von Ängsten und schädlichen Gerüchten behindern, sondern dieser Wiederaufbau zuverlässig fortzuschreiten vermag, sind wir gegen die Einleitung des Wassers in den Ozean“, so teilte das regionale Bündnis am 30. April 2021 in einer gemeinsamen Erklärung im Rahmen einer Pressekonferenz in Iwaki mit. 

 

 

Den Ängsten und Widersprüchen der Bürger*innen im ganzen Land und in der Präfektur in Bezug auf die politische Entscheidung, das teils zwar dekontaminierte, jedoch noch immer mit dem radioaktiven Isotop Tritium belastete Wasser ins Meer abzuleiten, sei die Politik bislang nicht mit ausreichenden Erklärungen begegnet, teilten die Repräsentanten von Fischereigenossenschaften und der Verbraucherkooperative COOP in Iwaki mit. „Ohne Verständnis der Betroffenen kein Einverständnis“, so heißt es in der Erklärung.

 

Nozaki Tetsu 野崎哲, der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Fukushima, kritisierte die Regierung dafür, dass sie, anders als verabredet, zwar gegenüber ihrer Organisation in nichtöffentlicher Sitzung eine Entschuldigung ausgesprochen habe, ihrer Pflicht, die Maßnahmen gegenüber allen anderen Organisationen zu erläutern und sich für sie zu entschuldigen, bislang aber nicht nachgekommen sei. 

 

„Wir sind besorgt, dass die Anstrengungen von Produzenten und Konsumenten der vergangenen zehn Jahre zunichte gemacht werden“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Landwirtschaftlichen Genossenschaften Fukushima, Kanno Takashi 菅野孝志. „Wenn die Konsumenten von der Sicherheit von Produkten aus Fukushima nicht überzeugt sind, bleibt als Lösung nur die Lagerung des Wassers an Land“, so Kanno. Sollte es dennoch zu einer Einleitung des kontaminierten Wassers ins Meer kommen, so müsse dies durch unabhängige Beobachter überwacht werden. Diese müssten dann den lokalen Kooperativen Gelegenheit geben, ihre Meinung einzubringen. 

 

Seit Jahren äußern besorgte Bürger*innen, Umwelt-, Nahrungsmittel-Erzeuger- und Konsumenten-Organisationen ihren Widerstand gegen die geplanten Maßnahmen zur Reduzierung des auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi in großen Tanks gelagerten kontaminierten Kühlwassers. Die Zeitung Mainichi Shimbun vom 7. April zitierte kürzlich einen Fischer aus der Nachbarpräfektur Miyagi mit dem sarkastischen Vorschlag, das Wasser andernorts ins Meer zu leiten: "Wenn es so sicher ist, dann entsorgt es es doch in der Bucht von Tôkyô."  

 

Quellen: Tôkyô Shimbun (Autorin Katayama Natsuko 片山夏子), 30.04.2021

https://www.tokyo-np.co.jp/article/101498?fbclid=IwAR2ndAFs69gw2upfcQ3CMf09MEv2UBBCa0Uir8sx6UW-TwUtNBrAV8TBS54

 

Mainichi Shimbun, 07.04.2021:

https://mainichi.jp/articles/20210407/k00/00m/040/359000c

 


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