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Just printed: "NOlympics. Tōkyō 2020/1 in der Kritik"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abstract

 

Olympia hat im Zuge der weltweiten Corona-Krise mit seinem lange Zeit bedingungslosen Festhalten an der Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tōkyō in der ganzen Welt viel Glaubwürdigkeit, Integrität und Sympathie verspielt. Der Coronavirus hat einmal mehr immense Defizite offengelegt, wie sie von einer an Größe und Bedeutung beständig wachsenden transnationalen Anti-Olympia-Bewegung bereits seit längerem vehement beklagt werden.

 

Der Band „NOlympics: Tōkyō 2020/1 in der Kritik“ bietet gemeinsam mit wissenschaftlichen Fundierungen der diversen Olympia-Kritiken durch ein internationales Autor*innen-Team auch jenen Stimmen eine Plattform, die in Japan in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Aktionen gegen die Ausrichtung des Mega-Events opponiert haben. Ihre Ablehnung der Spiele betrifft nicht nur das zunächst noch verschobene, tatsächlich aber sogar von der völligen Absage bedrohte Projekt Tōkyō 2020. Sie wendet sich prinzipiell gegen die Institution der Olympischen Spiele in Zeiten des „Feier-Kapitalismus“ (Jules Boykoff). Der Widerstand richtet sich somit gegen Spiele, die im Verdacht stehen, in den Ausrichterländern soziale Kälte bis hin zur Exklusion zu befördern, wachsenden Nationalismus zu generieren und demokratische Werte zu unterminieren.

 

Eine besondere Dramatik erfahren diese bereits im Normalzustand konstatierten Problematiken durch die Situation, der sich insbesondere die Betroffenen der Atomkatastrophe von Fukushima fast ein Jahrzehnt nach dem Unglück noch immer ausgesetzt sehen. Hier erweist sich Olympia ebenso wenig als Anwalt der Katastrophenopfer wie der sozial Schwachen in den Gastgeberstädten der Spiele. Darüber kann auch der von der Bevölkerung längst als „Werbeslogan“ entlarvte Euphemismus von den „Wiederaufbau-Spielen“ nicht hinwegtäuschen. Um Olympia nicht zu gefährden, würden die Bewohner*innen Fukushimas einem erhöhten Strahlenrisiko ausgesetzt, so heißt es. Auf dem Altar der Olympia-Ausrichtung werde damit ein Wiederaufbau geopfert, der die wirklichen Bedürfnisse der Betroffenen ins Zentrum stellt.

 

Die Parallelität zum – fast einhellig als uneinsichtig, verantwortungslos und einzig dem Profit verpflichtet kritisierten – Verhalten der japanischen Regierung, der Olympia-Organisatoren und des Internationalen Olympischen Komitees in der Corona-Krise ist frappierend und verweist auf ein „System Olympia“ im 21. Jahrhundert, das sich von den Menschen, denen es zu dienen vorgibt, längst vollständig entkoppelt hat.

 

Steffi Richter/Andreas Singler/Dorothea Mladenova (Hg.): "NOlympics: Tōkyō 2020/1 in der Kritik“. Leipzig: Universitätsverlag. ISBN: 978-3-96023-347-3

 

Homepage Verlag:

https://www.univerlag-leipzig.de/catalog/bookstore/article/2018-NOlympics_Tokyo_20201_in_der_Kritik 

 

「NOlympics: 批判されるTōkyō 2020/1」

 

世界的なコロナ危機の中、2020年の東京オリンピック・パラリンピックの開催に固執し続けたことで、オリンピックは世界中でその信ぴょう性を失い、世界をつなぐ力、そして共感を台無しにしてしまった。コロナウイルスによって今回改めて晒されたオリンピックの負の側面は、国をまたいで規模も意義も拡大し続けている反オリンピック運動がすでに以前から猛烈に抗議してきたことである。

 

『NOlympics: 批判されるTokyo 2020/1 』は、国際的な執筆チームによる学問的な研究に根差した多方面からのオリンピック批判の数々を紹介し、日本でここ数年の間数多くのアクションでこのメガイベントの開催に抵抗してきた声に抗議の基盤をあたえるものである。彼らのオリンピック拒否の声は、Tokyo 2020だけに向けられたものではなく、「祝賀資本主義」(ジュールズ・ボイコフ)の時代におけるオリンピックという体制に向けられたものである。この抗議の声は即ち、開催国において社会的冷淡を超えて排除を助長し、国家主義の台頭を生み出し、民主主義的な価値をを葬り去るという嫌疑に立たされているオリンピックに向けられているのである。

 

とりわけドラマチックなのは、ほぼ10年を経ていまなお危険に晒されていると感じている福島原発事故の被災者たちの状況を通して、通常でもすでに認識されている問題である。この点でもオリンピックは被災者の擁護者でも、開催国の社会的弱者の庇護者でもないことを露呈している。このことは、国民からもとっくに「広告スローガン」だと見抜かれている「復興五輪」という婉曲表現をもってしても、隠しきれない。オリンピックを危機に晒さないために、福島の住民の被ばくリスクは引き上げられ、オリンピック開催の祭壇の前に、被災者が本当に必要とするものを中心に据えた形での復興が犠牲になった、と言われている。

 

日本政府、オリンピック組織委員会、国際オリンピック委員会がコロナ危機において取っている(異口同音に頑固で無責任で利益優先だと批判されている)態度との平行性は驚くほどで、人類のためにあるはずのオリンピックが、21世紀における「オリンピック体制」において人間から完全に切り離されてしまったことを示している。 

 

翻訳:桂木忍

 

出版:2020年の春

 

 

 


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