Japans Atomkraftwerken droht die Abschaltung

Japans Atomkraftwerken droht wegen unzureichender Anti-Terror-Maßnahmen die Abschaltung. Keiner der nach dem Atomunfall von Fukushima wieder angefahrenen Meiler erfüllt laut Atomkontrollkommission momentan die erforderlichen aktuellen Sicherheitsbestimmungen. Bei deren Anwendungen würde bald wohl kein einziger Meiler mehr in Europa am Netz bleiben können.

 

Das Energieunternehmen Kyûshû Denryoku hat am 16. März auf Anweisung der japanischen Atomkraft-Kontroll-Behörde den Meiler 1 des Atomkraftwerks in Sendai (Präfektur Kagoshima) abgeschaltet. Grund dafür sind Verspätungen in der Fertigstellung der vorgeschriebenen baulichen Anti-Terror-Maßnahmen bzw. Maßnahmen gegen einen Flugzeugabsturz. Es ist die erste Abschaltung eines Atomkraftwerks dieser Art in Japan nach Sicherheitsbestimmungen auf Basis des „Backfit-Systems“ (backfit = auffüllen). Danach sind, wie die Asahi Shimbun (16.03.2020) erläutert, neueste Erkenntnisse zur Sicherheit von Reaktoren auch auf bereits bestehende Meiler anzuwenden. Konkret mangelt es in Sendai an der Fertigstellung einer Kommandozentrale außerhalb des AKW, aus der heraus die Abläufe im AKW im Falle eines großen Unfalls über Fernsteuerung sichergestellt werden könnten.

 

Die Stilllegung war bereits Mitte Februar angekündigt worden, nachdem der Vorsitzende der Atomkraft-Kontrollkommission, Fuketa Toyoshi 更田豊志, Sendai inspiziert hatte. AKW-Betreiber haben fünf Jahre Zeit, nach Beantragung der Genehmigung für den Bau von entsprechenden Sicherheitseinrichtungen die Pläne umzusetzen. Die Entscheidung, Meiler stillzulegen, die diesen Kriterien nicht gerecht werden, hatte die Kommission laut Yomiuri Shimbun (15.02.2020) im April 2019 verabschiedet. Auf Basis dieser Bestimmungen droht nun allen neun Meilern, die bislang nach dem Atomunfall von Fukushima 2011 wieder angefahren worden waren, nacheinander die Abschaltung. Dies habe Fuketa in Sendai im vorigen Monat deutlich gemacht, berichtet selbst die Yomiuri Shimbun, die vielen eigentlich als der publizistische Arm der Atomkraft in Japan gilt. Auch die Kontrollkommission gilt eigentlich im Grundsatz als atomkraftfreundliche Institution.

 

Die erhöhten Sicherheitsanforderungen haben indessen das Potential, den Abschied Japans von der Atomkraft deutlich zu beschleunigen. Die nach zahlreichen internationalen Studien ökonomisch ohnehin nicht wettbewerbsfähige Atomkraft wird durch die erhöhten Sicherheitsanforderungen, die sehr teuer sind, noch mehr unter wirtschaftlichen Druck gesetzt.

 

Nach den in Japan jetzt zur Anwendung kommenden Kriterien dürften in Europa und weltweit wohl kaum noch Atomkraftwerke betrieben werden. Europas Atomkraftwerke entsprechen nach Ansicht des britischen Atomphysikers Paul Dorfman in keinem einzigen Fall den aktuellen Sicherheitskriterien und würden bei Neustart keine Betriebsgenehmigung mehr erhalten (siehe ausgestrahlt).

 

Vorschau-Bild: "AKW Sendai nicht betreiben!" - Impression vom 257. wöchentlichen Freitagsprotest im südjapanischen Miyazaki gegen das Atomkraftwerk Sendai vor der Zweigstelle von Kyûshû Electric (Aufnahme vom 27. Oktober 2017)

 

Quellen (u.U. nur temporär gültig):

 

https://www.asahi.com/articles/ASN3J420GN3GTIPE00N.html?fbclid=IwAR0fn6HgCEL5ko1SwelAy6bu6IE5vEdzx37LLGaiTDngifvwjwinl-jXvvo

 

https://www.yomiuri.co.jp/science/20200215-OYT1T50222/

 

https://www.ausgestrahlt.de/blog/2019/03/08/alte-akw-europa-du-hast-ein-problem/

 


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