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"Bitte erweisen Sie Frau Aoki den Respekt, den sie verdient": Offener Brief an den Präsidenten des Verlags Asahi Shimbun, Watanabe Masataka

青木美希記者の異動についての公開書簡

Nur kurz nach dem 9. Jahrestag der nordostjapanischen Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 sorgte die Nachricht, dass die renommierte Journalistin Aoki Miki von ihrem Posten als Reporterin der Asahi Shimbun abgezogen werden soll, für Aufregung. Aoki arbeitet seit Beginn der Atomkatastrophe schwerpunktmäßig zum Thema Fukushima, sie hat sich mit ihren Beiträgen über die Betroffenen der Katastrophe großen Respekt unter den in Fukushima verbliebenen Menschen ebenso wie unter den noch immer weit mehr als 40.000 Flüchtlingen verschafft.

 

Auf Facebook informierte sie am 13. März 2020 darüber, dass sie sehr kurzfristig von ihrem Arbeitgeber, der Zeitung Asahi Shimbun, erfahren habe, dass sie ab April in einer der Öffentlichkeitsarbeit zugehörigen Abteilung eingesetzt werde solle und künftig keine Artikel mehr für die Asahi Shimbun verfassen dürfe. Da die Asahi Shimbun zu den Gold Partnern von Tokyo 2020 gehört, liegt nun für viele der Verdacht nahe, dass damit vor den letztlich verschobenen, gleichwohl immer noch euphemistisch so genannten "Wiederaufbau-Spielen" kritische Berichterstattung zum Thema Fukushima unterdrückt werden soll. Das Schreiben im Wortlaut:

 

東日本大震災から9年めを迎えた直後、朝日新聞社の著名なジャーナリストである青木美希が報道職を解かれるというニュースが入り、波紋をよんでいます。青木記者は原発事故発生当初から福島をテーマに重点的に記事を書いており、被災者について記事を書き続ける青木記者は福島に残った人々、また未だに避難生活を強いられている4万人以上の人々の間で多大な尊敬を集めています。

 

青木記者がFacebook上で2020年3月13日に綴ったところによると、記者は今回の異動について本社から直前まで知らされず、4月から広報に属する部門に配属され、朝日新聞の記事を書くことが許されなくなったということです。朝日新聞社は東京オリンピックのオフィシャルスポンサーであることから、いわゆる「復興オリンピック」を前にして福島についての批判的な報道が自粛されているのではないかとの疑念を抱いている人は少なくありません。

 

翻訳:桂木忍


An Verlag Asahi Shimbun

Watanabe Masataka, Präsident und Geschäftsführer,

Tokyo Head Office

5-3-2, Tsukiji,

Chuo Ward,

Tokyo, 104-8011

Japan

 

                                                                             Mainz, den 18. März 2020

 

Betr.: Offener Brief zur Versetzung der Journalistin Aoki Miki

 

Sehr geehrter Herr Präsident Watanabe,

 

vor kurzem noch hatte die Gelegenheit, für das Magazin „Journalism“ (Nr. 357, Februar 2020) einen Aufsatz über den deutschen Atomausstieg, über die Geschichte der Atomkraft in meinem Land und über die philosophische Fundierung des Widerstandes gegen diese Hochrisiko-Technologie zu verfassen.

 

Diesen Auftrag habe ich als eine große Ehre für mich empfunden. Seit Beginn meiner journalistischen Recherchen und meiner wissenschaftlichen Forschung zu Fukushima, zu den Protesten in Japan gegen Atomkraft und in diesem Zusammenhang auch zu den Bedenken, die viele Menschen gegen die Olympischen Spiele in Tokyo nur neun Jahre nach dem Großen Ostjapanischen Erdbeben tragen, gehört die Asahi Shimbun zu meinen wichtigsten täglichen Quellen während meiner vielen Reisen nach Fukushima und durch ganz Japan.

 

Viele Male habe ich beispielsweise die Kolumne „Die Falle des Prometheus“ mit großem Respekt vor den Menschen gelesen, über die dort geschrieben wurde. Mein Respekt galt aber auch den Autor*innen, die diese Texte schrieben und der Zeitung, die sie druckte. Es gibt in Japan trotz vieler bedenklicher Tendenzen, die in den vergangenen Jahren in Japan in Bezug auf die demokratische Kultur, die Freiheit der Berichterstat-tung oder die Freiheit der freien öffentlichen Meinungs-äußerung zu verzeichnen gewesen sind, also durchaus noch echten Journalismus, so dachte ich viele Male. Das Versprechen, das Sie etwa in Ihrer Message auf der Homepage der Asahi Shimbun abgeben, das Leben der Menschen zu bereichern sowie zu Frieden und Demokratie beitragen zu wollen, habe ich Ihnen vollständig geglaubt.

 

Aber mit großer Sorge habe ich nun von den jüngsten Vorgängen um die Zwangsversetzung Ihrer hochangesehenen Journalistin Aoki Miki Kenntnis genommen. Diese geplante Versetzung von Frau Aoki auf einen Posten, der offensichtlich weder ihren großen journalistischen Fähigkeiten gerecht wird noch dem Bedürfnis vieler Betroffener der Atomkatastrophe von Fukushima nach einer unbestechlichen und unabhängigen Berichterstattung, haben nicht nur in Japan, sondern weit über die Landesgrenzen hinaus Zweifel aufkommen lassen, ob die Asahi Shimbun wirklich noch die Unabhängigkeit und journalistische Integrität verkörpert, die sie Ihren Lesern gegenüber offeriert.

 

Ich muss Ihnen heute leider sagen, dass ich den ehrenvollen Auftrag, für das Magazin „Journalism“ einen Beitrag zu schreiben, unter den gegebenen Umständen im Augenblick nicht mehr annehmen würde. Ich appelliere an Sie als Journalist: Bitte machen Sie die Entscheidung, Frau Aoki von der für die Menschen vor Ort und den vielen noch immer auf der Flucht befindlichen Menschen so wichtigen unabhängigen und kritischen Fukushima-Berichterstattung abzuziehen, wieder rückgängig und erweisen Sie dieser Kollegin den Respekt, den sie verdient. Frau Aoki verkörpert mit ihrer Arbeit genau jene journalistischen Ideale und jene Versprechen, für Menschen, für Frieden und für Demokratie zu arbeiten, die Sie, sehr geehrter Herr Präsident und Geschäftsführer Watanabe, den Menschen in Ihrem Land öffentlich jeden Tag aufs Neue abgeben.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Andreas Singler

 

104-8011

 

東京都中央区築地5-3-2

 

朝日新聞社本社御中

 

代表 渡辺雅隆様

 

 

 

2020318

 

 

青木美希記者の異動についての公開書簡

 

渡辺雅隆代表様、

 

私は最近御社の雑誌『ジャーナリズム』(20202月号、第357号)にドイツの脱原発、ドイツの原発の歴史、そしてこの高度にハイリスクな技術に対する反対運動に関する哲学的基盤について記事を書かせていただきました。

 

この執筆依頼に私は大変な名誉を感じていました。

 私が福島について、日本での反原子力運動について、さらにこれに絡めて東日本大震災から9年しか経っていないのに東京でオリンピックが開催されることへの多くの人々の憂慮について、ジャーナリストとして調査し、学術的な研究をしはじめたころから、朝日新聞は福島原発事故後日本中を調査旅行する私にとって重要な日々の情報源でした。

 

例えば、コラム『プロメテウスの罠』は何度も多大なる敬意をもって読ませていただきました。その敬意は、記事で描かれている人々への敬意だけではなく、これらの記事を書いた記者に対してであり、この記事を掲載した新聞社への敬意でもありました。日本では、民主主義的文化、報道の自由、自由に公の場で意見を言う自由について憂慮されるような傾向が昨今見られるにもかかわらず、これは真のジャーナリズムだ、と幾度も思いました。御社のホームページ上にある「豊かな暮らしに役立つ」、平和と民主主義に貢献するとある言葉を心から信じていました。

 

しかし、御社の優秀な記者である青木美希が強制異動させられると聞いて、非常に心配しています。この異動によって青木記者は彼女の偉大なるジャーナリストとしての才能を発揮することもできず、誰の利益にも属さない、独立した報道を望む福島原発事故の被災者の期待に応えることもできなくなります。

 

この異動の決定は日本のみならず、遠く国境を超えて、朝日新聞は本当に渡辺様が読者に対して保証する独立性と報道の不可侵性を体現しているのか疑念を抱かせています。

 

御社の雑誌『ジャーナリズム』へ寄稿するという名誉ある依頼でさえ、このような状況ではお受けするのを控えざるを得なくなると考えております。私はジャーナリストとして渡辺様に訴えたいと思います。被災地の人々、いまだ避難状態にある人々にとってこれほどにも大切な、独立した批判的な福島関連の報道の仕事から青木記者を遠ざけるという決定を覆してください。青木記者は御社の社員として尊敬を得るに足るジャーナリストです。青木記者は、人類のために、平和のために、民主主義のために奉仕するという、かのジャーナリズムの理想と使命を体現している人です。これは渡辺様が朝日新聞の代表として日本人に日々公に約束していることでもあります。

 

敬具

 

アンドレアス・シングラー


An open letter to the President of Asahi Shimbun, Mr. Watanabe Masataka

 

Shortly after the 9th anniversary of the 2011 triple disaster the news that the well-known journalist Aoki Miki will be withdrawn from her position as a reporter for the Asahi Shimbun caused widely confusion. Ms. Aoki has been focusing on Fukushima since the beginning of the nuclear disaster. With her reports about the situation in Fukushima and about the people affected by the nuclear disaster she has gained great respect for instance among the people who remained in Fukushima as well as among the still more than 40,000 refugees.

 

On March 13, 2020, she informed on Facebook that she had learned very briefly from her employer, the Asahi Shimbun newspaper, that she would be employed in a public relations department from April and would no longer write articles for the newspaper. Now, many people can't help the impression that the award winning journalist will be removed from her tasks due to the "Tokyo 2020" Olympics, that finally had been postponed last Tuesday. The Asahi Shimbun is one of the Gold Partners of Tokyo 2020/21. The open letter in its wording:

 

Dear President Watanabe,

 

recently I was given the generous opportunity to write an essay for the journal “Journalism” (No. 357, February 2020) about the German way to abandon nuclear power, about the history of nuclear power in my country, and on the philosophical foundation of the resistance to this high-risk technology.

 

It was an opportunity of tremendous honour for me. Since the beginning of my journalistic investigation as well as my scientific research on Fukushima, on the protests in Japan against nuclear power and in this context also on the concerns that many people have against the Olympic Games in Tokyo only nine years after the 2011 triple disaster, the Asahi Shimbun has been one of my most important daily sources during my many trips to Fukushima and all over Japan.

 

Many times, for instance, I have read the column “The Trap of Prometheus” with great respect for the people it was written about. My respect also went to the authors who wrote these texts and the newspaper that printed them. So in spite of many worrying tendencies that have been seen in Japan in recent years in terms of democratic culture, freedom of reporting or freedom of expression, there is still real journalism, I thought many times. I fully believed the promise you made in your message on the Asahi Shimbun homepage, to enrich people's lifes and to contribute to peace and the ideals of democracy.

 

But now, with great concern, I have taken note of the recent incident regarding the dismissal of your highly respected journalist Aoki Miki from her longstanding duties regarding Fukushima and its people affected by the nuclear power plant accident of 2011. This decision obviously does not do justice to Ms. Aokis great journalistic skills or the need of many people affected by the Fukushima nuclear disaster for incorruptible and independent reporting. It has caused doubts not only in Japan, but far beyond the country's borders whether the Asahi Shimbun really still embodies the independence and journalistic integrity that it offers to its readers.

 

At the moment and under the current circumstances I would no longer accept the honorable offer to write a contribution for an Asahi newspaper or magazine. I, as a journalist, appeal to you: Please reverse the decision to withdraw Ms. Aoki from the independent and critical reporting regarding “Fukushima”, which is so important for local people, either they currently live in their home area or are still on the run. Please, as a colleague, show her the respect she deserves. With her work, Ms. Aoki embodies precisely those journalistic ideals and promises to work for people, for peace and for democracy that you, Mr. President and Chief Executive Officer Watanabe, publicly promise your readers and the people in your country every day.

 

With best regards

 

 

Dr. Andreas Singler

 


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