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Olympia kapert den öffentlichen Raum: Verwendung von Filmen in sozialen Medien auch beim Fackellauf verboten

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Das Organisationskomitee für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 hat am 28. Februar Erstaunliches bekanntgegeben. Privatpersonen dürfen während des am 26. März startenden Olympischen Fackellaufes aufgenommene Filme nicht in sozialen Medien oder auf andere Weise im Internet verwenden. Damit werde eine Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees umgesetzt hieß es. Standbilder hingegen seien davon nicht berührt. Mit dem Verbot der Weiterverbreitung von bewegten Bildern sollten die Interessen der Inhaber von Übertragungsrechten geschützt werden, teilte das Organisationskomitee mit.

 

Nur Medien, die Inhaber von Senderechten seien bzw. solchen Fernseh- und Radiostationen, die auch ohne Senderechte Aufnahmen verwenden dürften, seien zur Verbreitung der Bilder berechtigt. Wie das Organisationskomitee für Tôkyô 2020 ausdrücklich mitteilte, schließe dieses Verbot auch die privaten Accounts von Usern auf Twitter, Facebook, Instagram und YouTube ein. Das IOC könne im Falle der Zuwiderhandlung die Löschung der Beiträge verlangen, teilte Tôkyô 2020 mit. 

 

Damit macht das IOC bei Olympia 2020 nicht nur von seinem Hausrecht bei Veranstaltungen in geschlossenen Sportarenen Gebrauch, bei denen auch die Verwendung von Fotos im Internet verboten ist. Olympia kapert auch den öffentlichen Raum in Japan. Zugleich droht damit die Freiheit der Berichterstattung für nichtakkreditierte Medien im öffentlichen Raum eingeschränkt zu werden. Das gibt all jenen Skeptikern Recht, die Olympische Spiele grundsätzlich ablehnen, da ihretwegen regelmäßig demokratische Grundrechte wie Versammlungsfreiheit, das Recht auf freie Meinungsäußerung oder die Freiheit der Berichterstattung in olympischen Gastgeberländern eingeschränkt würden. Fraglich ist jedoch, ob das Verbot der Verbreitung von Filmen im öffentlichen Raum überhaupt ohne weiteres mit geltendem Recht in Einklang zu bringen ist.

 

Besonders skurril: Die 47 japanischen Präfekturen, durch die der Staffellauf führen soll, waren aufgerufen, solche Lokalitäten auszusuchen, die "in den sozialen Medien gut aussehen", wie z.B. Nikkan Sports berichtet. 

121 Tage lang soll der von den Nazis für Berlin 1936 erstmals ins olympische Zeremoniell aufgenommene Fackellauf am 26. März in Fukushima in Nähe des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi startend fast durch ganz Japan unterwegs sein. Insbesondere in Fukushima gibt es gegen den Fackellauf auch große Vorbehalte.

 

Quelle: https://headlines.yahoo.co.jp/hl?a=20200228-22280524-nksports-spo

https://www.nikkansports.com/olympic/tokyo2020/torch-relay/news/202002280000524.html

 


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