· 

Aus „dramaturgischen Gründen“: Forderung nach Ainu-Präsentation bei Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2020 zurückgewiesen

Bei der Eröffnungsfeier der am 24. Juli beginnenden Olympischen Spiele wird die vornehmlich auf der nordöstlichen Insel Hokkaidô beheimatete indigene Minderheit der Ainu nur eine Zuschauerrolle einnehmen. Forderungen von Ainu-Vertretern, bei der Eröffnungsfeier Ausschnitte ihres kulturellen Erbes mit einem Tanz der Welt präsentieren zu dürfen, lehnte das Organisationskomitee für Tôkyô 2020 nun ab. Das berichtet die Tageszeitung Hokkaidô Shimbun (7. Februar 2020, Link s.u.). 

 

Demnach habe die Abteilung für Ainu-Angelegenheiten des Kabinettsbüros der japanischen Regierung der Interessensvertretung der indigenen Minderheit diesen Entschluss, der aus „dramaturgischen Gründen“ getroffen worden sei, mitgeteilt. Die Zeit bei der Eröffnungsfeier sei begrenzt, teilten Regierung und Organisationskomitee laut Hokkaidô Schimbun mit. Eine Präsentation der Ainu-Kultur sei daher schwer im Programm für die Eröffnungsfeier unterzubringen. Dem hochtrabenden Motto der Olympischen Spiele 2020 – „Einheit in Verschiedenheit“ (siehe Tôkyô 2020 Games Vision) – wird das Gastgeberland damit kaum gerecht. 

 

Als Kompensation will man den Ainu nun während der nach Sapporo ausgelagerten Marathon- und Geher-Wettbewerbe zwischen dem 6. und 9. August im Ôdôri-Park von Sapporo, dem Startpunkt der Marathonläufe, „Gelegenheit geben, ihre Tänze zu präsentieren“, wie es hieß. 

 

Der für die Eröffnungsfeier zuständige Regisseur Nomura Mansai, ein bekannter klassischer Schauspieler, erklärte laut Asahi Shimbun, dass ein Tanz „nicht ins Programm passt“. Dennoch werde im Programm an die Existenz der Ainu auf andere Weise erinnert, sagte der künstlerische Leiter der Eröffnungsfeier. 

 

Bei Olympischen Spielen in Sydney und Vancouver waren indigene Minderheiten noch direkt ins Programm der Eröffnungsfeiern integriert worden. Dass das nun ausgerechnet bei den sich als Diversitäts-Festival gerierenden Spielen von Tôkyô anders ist, hat für viele etwas Verstörendes und ist Wasser auf die Mühlen derer, die mit diesen Spielen nicht japanischen Internationalismus und Weltoffenheit assoziieren, sondern einen vielfach beklagten wieder stärker gesellschaftsfähig werdenden Nationalismus. 

 

Kein Widerspruch dazu ist da, was Nomura Mansai 2018 bei einer Pressekonferenz erklärt hatte, dass nämlich die Eröffnungsfeiern zu Olympischen und Paralympischen Spielen  sehr viel "Japaneseness" bieten würden. Dennoch, so Nomura, solle von der Feier auch eine internationale Botschaft ausgehen (siehe The Japan Times, 31.07.2018 ).

 

Quellen und Links (z.T. temporär):

 

https://www.hokkaido-np.co.jp/article/390859

 

https://www.asahi.com/articles/ASN274TZVN27UTQP00K.html

 

https://www.japantimes.co.jp/news/2018/07/31/national/olympic-ceremonies-promised-full-japaneseness-will-carry-worldwide-message/#.Xj485K3qh8c

 

Vereinigung der Ainu von Hokkaidô (engl.: Hokkaidô Ainu Association)

https://www.ainu-assn.or.jp

 

Tôkyô 2020 Games Vision: 

https://tokyo2020.org/en/games/vision/

 

Fotovermerk: Aufnahmen aus dem Ainu-Museum Shiraoi

 

 

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0