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Jetzt auch Futaba: Großteils noch immer evakuierter Ort wird Gastgeber für olympischen Staffellauf

Derzeit ist die Gemeinde Futaba die einzige vom Atomunfall Fukushima betroffene Selbstverwaltungseinheit, die noch immer vollständig evakuiert ist. 96 Prozent des Gemeindegebietes sind noch immer so stark radioaktiv verseucht, dass selbst unter den als skandalös kritisierten Bedingungen einer zwanzigfachen Grenzwerterhöhung eine Rückkehr von Menschen nicht möglich ist. Am 4. März soll nun - erwartungsgemäß - für einige wenige Teile der Gemeinde die Evakuierungsanordnung aufgehoben werden. Um im Hinblick auf  Olympia 2020 die Sicherheit Fukushimas vorzutäuschen, sagen Kritiker.

 

Damit soll für Futaba, gemeinsam mit dem benachbarten Ôkuma Gastgebergemeinde für das AKW Fukushima Daiichi, nicht nur der Anschluss an die demnächst wieder erstmals seit der Dreifachkatastrophe von 2011 durchgehend führende Jôban-Linie hergestellt werden. Damit will die Präfektur Fukushima auch den Anschluss für Futaba als Gastgeberstadt des am 26. März zwischen den Gemeinden Hirono und Naraha im nationalen Trainingszentrum J-Village startende olympische Fackellaufs gewährleisten. Das gab Gouverneur Uchibori Masao während einer Pressekonferenz im Anschluss an eine nichtöffentliche Sitzung des Exekutivausschusses der Präfektur zur Durchführung des olympischen Fackellaufes bekannt. 

 

Die endgültige Entscheidung soll im Verlauf der nächsten Wochen fallen. Daran, dass dem Vorschlag, den das  Exekutivkomitee dem  Organisationskomitee der Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 am 23. Januar offiziell unterbreitete, auch stattgegeben wird, bestehen praktisch keine Zweifel. „Auch in Futaba ist nun die Umwelt in Ordnung gebracht, so dass der Fackellauf auch hier durchgeführt werden kann“, erklärte Gouverneur Uchibori.

 

Im vorläufigen Verlaufsplan für den Fackellauf war Futaba als einzige unter den elf vom Atomunglück betroffenen und mit Evakuierungsbefehlen belegten Gemeinden von der Route des olympischen Fackellaufs zunächst noch ausgeklammert worden. Allerdings war die späte Aufnahme seit langem erwartet worden. So äußerten beispielsweise Ende vergangenen Jahres Teilnehmer bei einer Bürgeranhörung von Flüchtlingen aus Futaba in der Präfektur Saitama um Ex-Bürgermeister Idogawa Katsutaka zur Frage der Aufhebung der Evakuierungsanordnung den Verdacht, dass die Entscheidung längst gefallen sei und dass derlei Anhörungen nur pro forma durchgeführt würde (siehe den Bericht des Journalisten Hino Kôsuke, Link s.u.).

 

Der Verdacht besteht bei nicht wenigen Kritikern, dass die Evakuierungsanordnung nur aus einem einzigen Grund aufgehoben worden sei: um der Welt anlässlich der Olympischen Spiele die angeblich weitgehend vollständige Konsolidierung der vom Atomunglück betroffenen Regionen zu demonstrieren. Letztlich diene dies auch dem Comeback der Atomkraft in Japan entgegen des Willens von weiten Teilen der Bevölkerung, befürchten viele.

 

Abe Kenichi, parteiloses Gemeinderatsmitglied der Gemeinde Hirono und einer der wenigen Lokalpolitiker, die energisch vor den Gefahren radioaktiver Strahlung für die rückkehrenden Menschen in die repatriierten Gebiete warnen, kritisierte die Entscheidung der Präfektur zum Vorschlag, Futaba in die Staffelrout zu integrieren, scharf:

 

„Sie sagen, dass in der Präfektur Fukushima die radioaktive Luftdosis an jedem einzelnen Punkt des Staffelllaufes unproblematisch sei. Aber die Realität ist doch, dass die Brennstäbe ständig Radioaktivität rausblasen, und wie steht es da mit dem Risiko, dass radioaktive Alphapartikel eingeatmet werden?“, so Abe via Facebook (21. Januar 2020). „Wer die Route des Staffellaufes durch Ôkuma und Futaba legt, der muss mit aller Macht Sicherheit vortäuschen. Es ist ein mörderischer Schwindel (satsujnteki na ikasama 殺人的なイカサマ).“

 

 Hintergrund:

https://www.andreas-singler.de/2019/06/10/olympischer-fackellauf-in-fukushima-keine-direkten-bezüge-zum-atomunglück/

 

Links und Quellen:

 

https://www3.nhk.or.jp/news/html/20200123/k10012255991000.html

 

https://www.yomiuri.co.jp/olympic/2020/20200121-OYT1T50143/    

 

https://www.asahi.com/articles/ASN1N5S48N1NUGTB00S.html

 

Bericht des Journalisten Hirono Kosuke zu einer Bürgeranhörung von Futaba-Flüchtlingen, 6. Dezember 2019: 

https://shinsho-plus.shueisha.co.jp/news/7718

 


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