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Vereinigung von Gläubigen klagt gegen Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho

Mit der für 2022 geplanten Fertigstellung einer Fabrik für nuklearen Brennstoff aus Uran/Plutonium-Mischoxid (MOX) und dem für 2021 angestrebten Abschluss der Arbeiten an einer Wiederaufbereitungsanlage in Rokkasho-mura in der nordöstlichen Präfektur Aomori will die japanische Firma Nuclear Fuel Limited (Nihon Gennen 日本原燃株式会社) den insbesondere von der japanischen Regierung seit Jahrzehnten angestrebten Brennstoffkeislauf schließen.

 

Gegen das Projekt gibt es seit langem Widerstand. Nun melden sich auch die Vertreter verschiedener religiöser Gruppen im Land zu Wort, darunter mehrere im Widerstand gegen Atomkraft exponierte buddhistische Mönche wie Nakajima Tetsuen aus Obama (Präfektur Fukui) oder Tanaka Tokuun aus Fukushima, der beim jüngsten Papst-Besuch in Japan mit dem Heiligen Vater zusammenkam. Mit einer Sammelklage will die „Vereinigung von Gläubigen, die die Atomkraft-Administration hinterfragen“ (Genshiryoku Gyôsei o Toinaosu Shûkyô-sha no Kai) das ehrgeizige und gefährliche Unterfangen noch verhindern.

 

Voraussichtlich im März 2020 will die Vereinigung vor dem Bezirksgericht seine Klage einreichen, eventuell aufgrund der Dringlichkeit auch als Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Inbetriebnahme der Wiederaufbereitungsanlage und anderer nuklearer Einrichtungen in Rokkasho. Das Unternehmen Nihon Gennen betreibt neben den in Fertigstellung befindlichen Einrichtung (Wiederaufbereitungsanlage, Brennelemente-Fabrik) auch eine Urananreicherungsanlage, eine Lagerstätte für schwach radioaktiven Abfall sowie eine Lagerstätte für verglasten Abfall.

 

Die Gläubigen begründen ihre rechtliche Intervention zum einen mit verfassungsmäßigen Bedenken: „Atomkraft und das Atomkraftgesetz verstoßen gegen die durch die japanische Verfassung gewährleistete Rechte des Souveräns“, so argumentieren ihre Anwälte. „Verfassungsmäßige Rechte wie das Recht auf Streben nach Glück, das Recht auf ein kulturelles Leben in Gesundheit, auf Arbeit, auf Freiheit des Broterwerbs, der Wohnung oder des Ortswechsels sowie der Erziehung werden durch sie vollständig außer Kraft gesetzt."

 

Atomkraft und insbesondere die Wiederaufbereitung von Brennstoffen rüttle durch ihre Gefahren an den Grundfesten der Verfassung und stelle eine Gefahr für sie dar. „Der Brennstoffkreislauf, durch den Plutonium entsteht, ist extrem gefährlich, technisch unausgereift und birgt die Gefahr, bei Veränderung der politischen Lage militärisch missbraucht zu werden“, so schreibt die Vereinigung weiter auf ihrer Homepage. Es sei für gläubige Menschen aus ethischer Sicht entschieden abzulehnen, „verbrauchter nuklearer Brennstoff bzw. radioaktiver Abfall künftigen Generationen zu hinterlassen“.

 

Die Arbeit innerhalb des Brennstoffkreislaufs führe zudem bei Arbeitern z.B. in Atomkraftwerken zu einer ständigen Erhöhung der Gesamtstrahlenexposition, daher seien solche Tätigkeiten einzustellen. Außerdem sei die „Wahrscheinlichkeit, dass sich in der Wiederaufbereitungsanlage durch ein Erdbeben oder einen Tsunami ein Unfall ereignet“ außerordentlich hoch.

 

„Sollte sich jemals in der Wiederaufbereitungsanlage ein Atomunfall ereignen, dann würden riesige Mengen an radioaktiven Substanzen freigesetzt, die sich nicht nur in ganz Japan, sondern in der ganzen Welt verbreiten würden und deren Einfluss sich auch auf künftige Generationen erstrecken würde.“

 

An anderer Stelle auf ihrer Homepage begründet die geistliche Organisation ihre Gegnerschaft zur Atomkraft mit diesen Worten:

 

„Wie der Unfall in Fukushima erzählt, gebiert die Nuklearpolitik viele Opfer. Sie verstößt gewaltsam gegen die Ethik, die von uns verlangt, den Menschen zu schützen, und sie bedroht unser Recht, in Frieden zu leben. Wir religiösen und gläubigen Menschen haben die Pflicht, die in der Menschheitsgeschichte aufgebaute Weisheit aus der Vergangenheit als Erbe zu übernehmen und an die in der Zukunft Lebenden weiterzugeben. Gleichzeitig besteht die Verpflichtung, die durch Atomwaffen verursachte Tragödie in Zukunft nicht zu wiederholen. Nicht nur dürfen wir Kindern, die heute leben, nicht der Radioaktivität aussetzen. Es geht auch nicht an, dass wir zukünftigen Generationen den Atommüll aufnötigen.

 

Unsere Existenz als Gläubige ist in Frage gestellt. So wie Deutschland seine Politik aus ethischen Gründen korrigiert hat, fordern wir nicht nur im Einklang mit dem Diskurs zur Technologie-Wissenschaft, sondern auch aus Sicht der religiösen Ethik eine Wende in der Energiepolitik. Daher fordern wir zuvorderst einen Stopp der mit Plutonium hantierenden Wiederaufbereitungstechnik, bei der Umweltverschmutzung zwangsläufig auftritt.“ 

 

Quellen und Links:

 

Homepage der Klägergruppe:

https://www.kakunensaiban.tokyo/registration/?fbclid=IwAR0UeBPBTnMnt_27o_-vVABdCnP_2ElTBUtqxYi6syPv364deFDrvpkq5sI

 

Homepage der Firma Nihon Gennen:

http://www.jnfl.co.jp/en/business/

 

Katholische Nachrichtenagentur zum Papst-Treffen u.a. mit Priester Tanaka Tokuun:

 

https://de.catholicnewsagency.com/story/papst-franziskus-in-japan-wir-alle-brauchen-eine-freundeshand-um-zu-hoffen-anzufangen-5386

http://www.jnfl.co.jp/en/business/


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