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Nur jeder Zehnte will nach Futaba zurückkehren

 

 

Für Teile des derzeit noch komplett evakuierten Gemeindegebiets von Futaba-machi, einer der Gastgebergemeinden des AKW Fukushima Daiichi, soll im März 2020  die Evakuierungsanordnung aufgehoben werden. Die meisten Bewohner sehen das kritisch: Nach einer Umfrage der staatlichen Wiederaufbau-Behörde denkt nur etwa jeder Zehnte über eine Rückkehr nach. Rund zwei Drittel der Bevölkerung haben sich dazu entschieden, nicht mehr in ihre Heimat zurückzukehren.


Im März 2020 soll erstmals für einen Teil der Gemeinde Futaba, Gastgeberstadt des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi und einer der am meisten vom Atomunglück betroffenen Kommunen, die im Zuge des Unglücks erlassene Evakuierungsanordnung aufgehoben werden. Die Behörde für Wiederaufbau hat hierzu eine Umfrage unter den Bewohnern der Gemeinde durchgeführt. Mit einem ernüchternden Ergebnis, wie der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NHK (9. Januar 2020) berichtet: Nur zehn Prozent der befragten Haushalte gaben an, sich für die Zukunft Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre radioaktiv hochverstrahlte Heimat zu machen.

 

Durch den Atomunfall im AKW Fukushima Daiichi ist Futaba so lange wie keine andere Gemeinde in der Präfektur vollständig evakuiert worden. Für einen nordöstlichen Teil des Gemeindegebiets soll am 4. März die Evakuierungsanordnung aufgehoben werden. Auch soll die von Tôkyô bis in die nordostjapanische Millionen-Einwohner-Stadt Sendai führende Jôban-Bahnlinie wieder durchgängig eröffnet werden. 

 

63,8 Prozent der befragten Haushalte antworteten auf die Frage, ob sie eine Rückkehr beabsichtigen, mit: „Wir haben uns entschieden, nicht zurückzukehren“, etwas mehr noch als im Vorjahr. Dagegen hoffen nur 10,5 Prozent auf eine künftige Rückkehr, etwas weniger als bei vorangegangenen Befragungen. 24,4 Prozent gaben an, sich noch nicht entschieden zu haben. Um sich eine Rückkehr vorstellen zu können, würden vor allem medizinische und pflegerische Einrichtungen, Hilfen bei baulichen Maßnahmen und der Instandsetzung bzw. Sicherung von Wohnraum sowie die Wiedereröffnung bzw. Schaffung von neuen Einkaufsmöglichkeiten benötigt.

 

Im Hinblick auf die Evakuierungsanordnung gibt es nach anderen Medienberichten viel Kritik aus der Bevölkerung. Den Behörden wird vorgeworfen, im Hinblick auf den olympischen Fackellauf und die Olympischen und Paralympischen Spiele übereilig eine Repatriierung der durch den Unfall kontaminierten Gebiete anzustreben und dabei an den Bedürfnissen der Flüchtlinge vorbei zu agieren. Der olympische Fackellauf startet in Japan am 26. März vom nationalen Trainingszentrum J-Village aus, das bis zur Wiedereröffnung im vorigen Jahr lange Zeit als Stützpunkt für die Arbeiten am AKW Fukushima Daiichi diente. Dort wurden unlängst Hotspots detektiert.

 

 

Links und Hintergründe:

 

https://www3.nhk.or.jp/lnews/fukushima/20200109/6050008543.html?fbclid=IwAR2uQuyYzWpfae8hvbp7kD34N8-k8OgFfbQpVwX26dclDAfkNBitoq2UpSs (nur zeitlich begrenzt gültig)

 

https://www.andreas-singler.de/2019/06/10/olympischer-fackellauf-in-fukushima-keine-direkten-bezüge-zum-atomunglück/

 

https://www.greenpeace.org/japan/uncategorized/press-release/2019/12/04/11770/

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