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#SexyKoizumi tadelt Greta Thunberg – Äußerungen mit Irritationspotential


Der japanische Umweltminister Koizumi Shinjirô hat bei einer Pressekonferenz am 23. Dezember erneut der 16-jährigen Umweltaktivistin Greta Thunberg vorgeworfen, sie würde einseitig Erwachsene für den Klimawandel verantwortlich machen und damit der Sache des Klimaschutzes schaden. „Wenn sich das darin erschöpft, Erwachsene zu denunzieren, hat das für mich keine Zukunft“, so zitiert ihn die Zeitung Asahi Shimbun (23. Dezember 2019). Der Kampf gegen den Klimawandel erfordere den gemeinsamen Kampf aller Generationen, erklärte Koizumi. Etwas anderes hatten Millionen junger Klimaaktivist*innen in aller Welt allerdings auch nie behauptet. 

 

Der Minister erweckte mit seinem unsachlichen Angriff den Eindruck, von der Konzeptionslosigkeit seiner Regierung im Klimaschutz ablenken zu wollen. Beim Klimagipfel in Madrid hatten Koizumi für sein Land und Brasilien den satirischen "Fossil of the Day"-Preis" aus der Hand der Nichtregierungsorganisation CAN entgegennehmen müssen.

 

Die jugendlichen Aktivist*innen um Greta würden darüber klagen, dass durch die Planlosigkeit der Erwachsenen die eigene Zukunft gefährdet sei, und sie forderten Klimagerechtigkeit, so schreibt Asahi Shimbun. Damit würden sie die Sympathien von Jugendlichen auf der ganzen Welt auf sich ziehen. „Wir brauchen keine Ansatz, mit dem die Erwachsenen diffamiert werden, sondern einen, der alle Generationen einbezieht“, habe Koizumi nun zum wiederholten Male dem angeblichen Standpunkt der jungen Klimaaktivistin Thunberg widersprochen.

 

Koizumi, der kurz nach seinem Amtsantritt bei den Vereinten Nationen versprochen hatte, das Thema Klimaschutz in Japan „sexy“zu machen, nährt mit diesen Bemerkungen Vorbehalte vieler Umweltaktivisten und Anhänger der Opposition gegen ihn, der öffentlich rhetorisch zwar gerne den innovativen Umweltschützer gibt, inhaltlich aber bislang in Sachen Klimaschutz kaum etwas bieten konnte.  

 

Auf der Pressekonferenz am 23. Dezember erklärte Koizumi, um das im Pariser Klimaabkommen fixierte Ziel, die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf höchstens zwei, besser aber 1,5 Grad zu beschränken, bedürfe es statt kurzfristiger Maßnahmen ein Umfeld mit technischen Innovationen, die echte Nachhaltigkeit garantieren würden.

 

Zu Greta Thunberg sagte der 38-jährige Minister noch: „Ihr Einfluss ist erstaunlich. Dadurch sind viele Menschen, einschließlich Jugendlicher auf der ganzen Welt, aufgewacht“, so Koizumi, um dann hinzuzufügen: „Keine Generation, kein Land, kein Industriezweig sollte außen vor gelassen werden.“ Nun hatte niemand jemals verlangt, dass im Bemühen um den Klimaschutz irgendjemand ausgeklammert werden solle, genau das Gegenteil ist der Fall. Daher besitzt Koizumis schulmeisterlicher Angriff auf eine 16-Jährige doch erhebliches Irritationspotential.

 

Der Sohn des früheren Premierministers Koizumi Junichirô hatte als am 11. September 2019 ins Amt berufener Umweltminister der konservativen Regierung seines Parteifreundes Abe Shinzô (Liberaldemokratische Partei) zunächst einen bemerkenswerten Start, als er erklärte, er würde mehr darüber nachzudenken, wie man Atomkraftwerke abschalten als wie man welche in Betrieb nehmen könne. Pläne seines Vorgängers Harada Yoshiaki, das in riesigen Tanks gelagerte, mit Tritium belastete Wasser am havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ins Meer abzulassen, revidierter er umgehend nach Amtsantritt.

 

Beunruhigend allerdings war für viele, dass er nach dem auch in der Präfektur Fukushima tobenden Taifun Nr. 19 im Oktober, als viele Säcke mit radioaktiv kontaminierte Erde nach Deichbrüchen von den Wassermassen der Flüsse mitgerissen worden waren, postwendend Entwarnung gab. Es gebe keine Probleme mit Radioaktivität, versicherte der Minister zu einem Zeitpunkt, als noch überhaupt keine validen Ergebnisse vorliegen konnten. 

 

Vor den Vereinten Nationen dann präsentierte sich Koizumi, dem politische Ambitionen auf das Amt des Premierministers nach der Ära Abe nachgesagt werden, als Speerspitze des Klimaschutzes im Land, indem er sagte, man müsse den Kampf gegen die Erderwärmung „sexy“ machen. Peinlich war allerdings, dass er bei einer internationalen Pressekonferenz auf die Frage, welche Maßnahmen er konkret avisiere, keine Antwort wusste und nur hilflos die Backen aufblies. Seine rhetorischen Allgemeinplätze in der Klimafrage haben ihm den spöttischen Hashtag #SexyKoizumi eingebracht. Mehrfach hatte Koizumi auf internationalem Parkett erklärt, für den Aussstieg aus Kohle und Atomkraft und für die Konzentration auf erneuerbare Energien zu stehen. Einräumen musste er jedoch mehrfach auch, dass er damit in seiner Heimat und im Kabinett praktisch überhaupt nicht durchdringe. Das Thema Kohleausstieg sei in Japan eine "Nichtdiskussion", erklärte Koizumi laut Euractiv (s.u.).

 

Quellen:

Asahi Schimbun

https://www.asahi.com/articles/ASMDR43QGMDRULBJ00B.html

 

http://www.asahi.com/ajw/articles/AJ201912210026.html

 

The Straits Times 

https://www.straitstimes.com/asia/east-asia/japans-environment-minister-shinjiro-koizumi-wants-to-wean-country-off-coal-but-faces

 

https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/cop25-news-and-views-whats-happening-in-madrid-part-3/

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