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Protestierende Fischer setzen sich durch: Chûgoku Denryoku stellt Vorarbeiten zum AKW-Bau vorerst ein

Kaminoseki-chô/Präfektur Yamaguchi: Die wochenlangen Proteste der Fischer der Insel Iwaishima in der japanischen Inlandsee waren erfolgreich: Das Energieunternehmen Chûgoku Denryoku hat nach einem Bericht der Zeitung Chûgoku Shimbun am 16. Dezember die vorläufige Einstellung von Voruntersuchungen zum geplanten Bau des AKW Kaminoseki bekanntgegeben. Damit werden die Bohruntersuchungen, mit denen die Existenz von aktiven Erdbebenbruchlinien ausgeschlossen werden soll, auf unbestimmte Zeit verschoben. 

 

Ursprünglich wollte der Energieversorger die Bohruntersuchungen bis Ende Januar 2020 abgeschlossen haben. Wegen der fortgesetzten Proteste der Fischer von Iwaishima, deren Dorf nur 3,5 Kilometer entfernt von der für den AKW-Bau vorgesehen Bucht von Tanoura liegt, konnten die Arbeiten jedoch von Anfang an nicht wie geplant durchgeführt werden. Das Unternehmen beabsichtigt grundsätzlich zwar eine Wiederaufnahme der Untersuchung im neuen Fiskaljahr, das am 1. April beginnt. Allerdings ist unklar, ob der Staat überhaupt noch weiter Interesse an dem Projekt hat. Die Zukunft von Kaminoseki als einzigem neuen Standort für einen AKW-Neubau wird damit immer ungewisser.

 

Chûgoku Denryoku hatte ursprünglich die Aufnahme der Bohruntersuchungen am 14. November geplant. Die Bohrungen sind notwendig, um die geologische Eignung des Küstenstrichs für die geplante Landaufschüttung  vor der Bucht von Tanoura nachzuweisen. Schon früher war es zu erbitterten Protesten der Inselbewohner gekommen, mit denen die Aufnahme der Bauarbeiten verhindert wurde. Endgültig gestoppt wurden die Arbeiten nach dem Atomunfall von Fukushima.

 

Weil im Frühjahr wegen stürmischer See die Sicherung des für die Bohrungen notwendigen Geräts wahrscheinlich nicht möglich sein wird, beschloss das Unternehmen laut dem Zeitungsbericht die temporäre Einstellung der Arbeiten. Es sei beabsichtigt, bei der Präfektur Yamaguchi zu einem späteren Zeitpunkt eine Erneuerung der Bohrlizenz zu beantragen, hieß es.

 

Der Vorsitzende der „Vereinigung der Inselbewohner Iwaishimas zur Verhinderung des Baus des Atomkraftwerks Kaminoseki“ und Stadtrat von Kaminoseki, Shimizu Toshiyasu (64), erklärte laut Chûgoku Shimbun: „Wir behaupten nur unsere Fischereirechte. Wir werden die Lage auch weiterhin aufmerksam beobachten.“ Der den AKW-Bau befürwortende Bürgermeister der Gemeinde Kaminoseki, Kashiwabara Shigemi, teilte dem Bericht nach mit: „Das ist eine Entscheidung des Unternehmens, wir kommentieren das nicht.“ 

 

Quelle: https://www.chugoku-np.co.jp/local/news/article.php?comment_id=597190&comment_sub_id=0&category_id=112

 

Siehe auch: https://www.andreas-singler.de/2019/11/16/iwaishima-proteste-gegen-arbeiten-für-akw-kaminoseki-gehen-weiter/

 

https://www.andreas-singler.de/2019/11/11/energieversorger-chûkoku-denryoku-nimmt-vorarbeiten-für-akw-bau-wieder-auf-bevölkerung-protestiert/

 

https://www.andreas-singler.de/2018/12/13/einen-ort-der-durch-atomkraft-leuchten-würde-habe-ich-nicht-gefunden/

 

Mehr über die Proteste auf Iwaishima: "Sayonara Atomkraft. Proteste in Japan nach Fukushima" (EB-Verlag Berlin 2018): https://www.ebv-berlin.de/Sayonara-Atomkraft-Proteste-in-Japan-nach-Fukushima

 

"Die wochenlangen Proteste der Fischer der Insel #Iwaishima waren erfolgreich: Das Energieunternehmen Chûgoku Denryoku hat die vorläufige Einstellung von Voruntersuchungen zum geplanten Bau des #AKW #Kaminoseki bekanntgegeben." https://t.co/fR6OuL6f9O #SayonaraAtomkraft

— Andreas Singler (@AndreasSingler) December 16, 2019

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