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Tôkyô 2020: Zeitungsrecherchen verstärken Korruptionsverdacht

In Frankreich ermittelt ein Untersuchungsrichter gegen die Bewerbung Tôkyôs für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in der japanischen Hauptstadt wegen des Verdachts des Stimmenkaufs. Es geht um Zahlungen in Höhe von ca. 1,8 Millionen Euro, die der frühere Chef des Bewerbungskomitees, der langjährige Spitzenfunktionär Takeda Tsunekazu, für angebliche Beratungsleistungen angewiesen hatte. Nun ist bekannt geworden, dass noch viel mehr Geld in dunkle Kanäle versickert ist.

 

Eine Recherche der Tageszeitung Mainichi Shimbun verdeutlicht: Es geht längst nicht mehr "nur" um jene 1,8 Millionen Euro, die Takeda Tsunekazu auf ein Konto der dubiosen Firma Black Tidings in Singapur für wenige Monate an angeblicher Beratungsleistung durch den Inhaber des Kontos, Ian Tan Tong Han, überwiesen hat und die - so der Verdacht - in Wirklichkeit für den Kauf von Stimmen im IOC geflossen sind.  Der Verbleib von Rechnungsdokumenten zur Bestätigung von ca. 7,5 Millionen Euro (900 Millionen Yen), die im Zusammenhang mit der Olympiabewerbung Tôkyôs für 2020 für ausländische "Beratungsleistungen" verausgabt worden waren, ist unklar.

 

Wie die Mainichi Shimbun (16.11.2019, s.u.) berichtet, habe sie sämtliche zum Zeitpunkt der Auflösung des Bewerbungskomitees amtierenden Vorstandsmitglieder und die Verwaltungsleitung dazu befragt, aber keine einzige klare Angabe zum Verbleib der Unterlagen erhalten. Weder die mit dem Bewerbungskomitee verbundene Verwaltung Tôkyôs, noch das Nationale Olympische Komitee Japans (JOC) oder das Organisationskomitee, auf das die Verantwortung übergegangen ist, wollen die Unterlagen erhalten haben. Gouverneurin Koike Yuriko betrachte diesen Zustand als Problem, hieß es. Das Organisationskomitee musste sich deshalb von der Gouverneurin schulmeistern lassen: Koike habe darauf hingewiesen, dass alle Unterlagen, die den Zeitraum bis nach Ende der Olympischen und Paralympischen Spiele betreffen, ordnungsgemäß aufzubewahren seien, schreibt die Mainichi Shimbun.

 

Die verschwundenen Millionenbelege nähren den Verdacht, dass Tokyo 2020 nicht nur im sogenannten Black-Tidings-Skandal etwas zu verbergen hat. Dabei geht es um ca. 1,8 Millionen Euro,  die das Bewerbungskomitee für angebliche Beratungsleistungen an den Inhaber der Firma Black Tidings in Singapur, Ian Tan Tong Han, nachweislich bezahlt hat. Die Zahlungen stehen unter dem Verdacht des über den senegalesischen Sportfunktionär Lamine Diack und seinen Sohn Papa Massata Diack organisierten Stimmenkaufs im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zu Gunsten der Bewerbung Tôkyôs. 

 

Die Mainichi Shimbun hat zwischen August und November 2019 sämtliche 18 Vorstandsmitglieder zum Zeitpunkt der Auflösung des Bewerbungskomitees einschließlich der Rechnungsprüfer sowie den Chef der Verwaltung sowie dessen Stellvertreter in Bezug auf die Schriftstücke befragt. Die 20 Antworten kategorisiert die Zeitung wie folgt: 

 

Sieben Personen antworteten klar mit „weiß nicht“. Neun ehemalige Verantwortliche erwiderten ausweichend, sie seien „keine Vorstandsmitglieder mehr“ und „Ansprechpartner für Fragen zu den Bewerbungsaktivitäten sind die Hauptstadtpräfektur und das Organisationskomitee“.  Takeda Tsunekazu oder die damalige Olympiaministerin Hashimoto Seiko sowie der Leiter der dem Kultusministerium angegliederten Agentur für Sport, Suzuki Daichi, vermieden ebenfalls präzise Aussagen, in dem sie auf den Rechenschaftsbericht verwiesen, in dem die Zahlungen des Japanischen Olympischen Komitees an Black Tidings erläutert worden seien. 

 

Im Gegensatz dazu erklärten drei Personen, die u.a. als Geschäftsführer gearbeitet hatten, sie hätten „unter der Führung von Herrn Mizuno gestanden“, des früheren Hauptgeschäftsführers des Bewerbungskomitees, Mizuno Masato, des langjährigen Firmenchefs des Sportartikelherstellers Mizuno und Enkels des Firmengründers Mizuno Rihachi. Dieser erklärte, die Unterlagen „nicht zu haben“. Wo sie abgeblieben seien, „weiß ich nicht“, so Mizuno laut Mainichi Shimbun. Weil es sich bei den fraglichen Zahlungen nicht um Steuermittel gehandelt habe, sei eine Offenlegung nach außen nicht erforderlich, habe Mizuno weiter erklärt. Zur Entkräftung der Korruptionsvorwürfe gegen Tôkyô 2020 trug Mizuno damit kaum bei.

 

Quelle: Mainichi Shimbun, 16.11.2019: 

https://mainichi.jp/articles/20191116/k00/00m/040/315000c?fbclid=IwAR38guXd73AkylJGrwV_GXbzBaVGfhM_6jXOdnWPkBRTN-7YunZ5zTC0xl0


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