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Trotz Korruption und alledem: IOC-Präsident nimmt Orden im Senegal an

Der Senegal weigert sich, mit Papa Massata Diack einen mutmaßlichen Drahtzieher von olympischer Korruption und Dopingvertuschung an die französischen Strafverfolgungsbehörden auszuliefern. Das IOC weigert sich, gegen die in diesem Zusammenhang unter massivem Korruptionsverdacht stehende japanische Olympiabewerbung für Tokyo 2020 zu ermitteln. Nicht nur erhielt das afrikanische Land vom IOC die Olympischen Jugend-Sommerspiele 2022 zugesprochen. Jetzt nahm IOC-Präsident Thomas Bach von Senegals Präsident Macky Sall auch noch einen hohen Orden an.

 

Die Vorwürfe gegen Papa Massata Diack und seinen in Frankreich unter Hausarrest stehenden Vater Lamine Diack, den langjährigen Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, betreffen auch die Vergabe der Olympischen Spiele 2020 an Tokyo. Das japanische Bewerbungskomitee um den inzwischen zurückgetretenen Spitzenfunktionär Takeda Tsunekazu steht im Zusammenhang mit den sogenannten "Black-Tidings-Zahlungen" unter dem massiven Verdacht des Stimmenkaufs. 

 

Black Tidings war der Name einer Briefkastenfirma von Ian Tang Tong Han in Singapur, einem Geschäftspartner von Papa Massata Diack. Über Han's Konto in Singapur wurden teils auch Zahlungen zur Vertuschung von Dopingvergehen russischer Sportler abgewickelt. Takeda musste Zahlungen über insgesamt ca. 1,8 Millionen Euro an den angeblichen Medienanalytiker Han einräumen. Er bezeichnete die Überweisungen allerdings als legitimes Honorar für Beratungsleistungen Han's. Das IOC weigert sich, eigene Untersuchungen zum Korruptionsverdacht gegen die japanische Olympiabewerbung durchzuführen.

 

Laut AFP soll Papa Massata Diack am 5. November 2019 in Dakar von einem französischen Untersuchungsrichter vernommen worden sein. Er soll die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen haben.

 

Die Ordensvergabe an Bach im Senegal ist nicht frei von unfreiwilliger Ironie: Einen Teil der "erwirtschafteten" Gelder sollen die Diacks für die Beeinflussung der politischen Verhältnisse im Senegal benutzt haben: "2012 verhalfen sie mit 1,5 Millionen Dollar 'ihrem' Kandidaten Macky Sall zum Sieg bei der Präsidentschaftswahl über Amtsinhaber Abdoulaye Wade", so die ARD (30.6.2019, s.u.) unter Verweis auf die Ermitlungsakten in Frankreich.  

 

Quellen:

 

https://www.sportschau.de/doping/Anklage-gegen-Ex-IAAF-Chef-Diack-100.html

 

https://www.ran.de/allgemein/news/korruptionsskandal-papa-massata-diack-im-senegal-befragt-137119

 

https://www.theguardian.com/sport/2016/may/13/tokyo-2020-bid-2m-papa-massata-diack-iaaf

 

https://www.theguardian.com/sport/2017/sep/13/olympic-allegations-rio-tokyo-bid-teams-bought-votes

 

https://www.theguardian.com/sport/2016/may/20/tokyo-2020-olympic-bid-questions

 

https://www.olympic.org/news/ioc-president-in-senegal-on-second-day-of-african-tour-sees-preparations-for-youth-olympic-games-dakar-2022

 

 

Ausführlicher Hintergrund zum Korruptionsverdacht gegen Tokyo 2020:

 

"Tokyo 2020: Olympia und die Argumente der Gegner" (BoD Verlag 2019), Abschnitt 3.2, S. 38 ff:

https://www.bod.de/buchshop/tokyo-2020-olympia-und-die-argumente-der-gegner-andreas-singler-9783744802321

 

Der ehemalige Präsident des Japanischen Olympischen Komitees, Chef des Bewerbungskomitees für Tokyo 2020 und stellvertretende Vorsitzende des Organisationskomitees, Takeda Tsunekazu, 2016 vor dem Haushaltsausschuss des japanischen Parlaments zu den gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfen (TV-Übertragung NHK)


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