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Energieversorger Chûgoku Denryoku nimmt Vorarbeiten für AKW-Bau wieder auf - Bevölkerung protestiert

Der japanische Energieversorger Chûgoku Denryoku hat mit Vorbereitungen zu Bohruntersuchungen auf offener See begonnen, mit denen ausgeschlossen werden soll, dass sich unter dem für den Bau eines neuen Atomkraftwerks vorgesehenen Meeresgelände aktive Erdbebenfalten befinden. Die lokale Bevölkerung protestierte gegen den Arbeitsbeginn. 

 

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hiroshima plant in der Gemeinde Kaminoseki den Bau eines Atomkraftwerks, aber die Arbeiten zur Landaufschüttung wurden nach dem Atomunfall von Fukushima zunächst eingestellt. Im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Arbeiten will der regionale Energieversorger auf dem offenen Meer Erkundungsbohrungen in 200 Meter Tiefe durchführen, um auszuschließen, dass sich unter dem geplanten Baugebiet  aktive Verwerfungen befinden. Die Arbeiten hierfür sollen am 14. November beginnen. Am 8. November wurden vorbereitende Arbeiten durchgeführt. 

 

Auf dem Meer in Fischerbooten und am Strand der Bucht von Tanoura versammelten sich Atomkraftgegner der gegenüberliegenden Insel Iwaishima und forderten den Stopp der Arbeiten. Als ein Mitarbeiter des von Chûgoku Denryoku beauftragten Unternehmens von einem Boot aus mit Messungen begann, näherten sich ihm Bewohner Iwaishimas mit ihren Fischerbooten. Mit Rufen wie „Wir stimmen den Plänen zum Atomkraftwerk nicht zu“ protestierten sie laut NHK (8.11.2019, s.u.) gegen die Arbeiten. 

 

Wie Chûgoku Denryoku mitteilte, seien die Arbeiten am 8. November schließlich abgebrochen worden, weil die Sicherheit der mit den Arbeiten betrauten Mitarbeiter nicht habe gewährleistet werden können. Das Unternehmen kündigte dennoch an, am 14. November mit den Erkundungsbohrungen zu beginnen und zuvor Vorbereitungsarbeiten dazu wieder aufnehmen zu wollen.

 

Shimizu Toshiyasu, Sprecher der „Versammlung der Inselbewohner Iwaishimas zur Verhinderung des Baus des AKW's Kaminoseki“ (Kaminoseki Genpatsu o Tatesasenai Iwaishima Tômin no Kai) sagte laut NHK: „In den Plänen der Regierung ist der Neubau von Atomkraftwerken nicht enthalten, warum also diese Untersuchungen? Wir fordern den Stopp.“ 

 

Vertreter zweier Bürgerinitiativen haben die Präfektur Yamaguchi am 11. November aufgefordert, die gegenüber Chûgoku Denryo erteilte Genehmigung für Probebohrungen im Meeresgebiet zurückzuziehen. Ein Vertreter der Präfektur, der den Brief entgegennahm, sagte laut NHK, der Antrag sei vorschriftsmäßig eingereicht und daher  genehmigt worden. An eine Rücknahme der Genehmigung sei nicht zu denken.

 

Yamane Yoshio, einer der Sprecher der „Bürgervereinigung Kaminoseki-chô gegen Atomkraft" (Genpatsu ni Hantai suru Kaminoseki Chômin no Kai), kritisierte die Antwort der Präfektursregierung als „absolut unredlich“. 

 

Pläne zum Bau eines Atomkraftwerks in der japanischen Inlandsee auf dem Gemeindegebiet der heutigen Verbandsgemeinde Kaminoseki-chô gibt es seit 1982. Genau so alt ist der Widerstand in Teilen der Gemeinde, insbesondere auf der dem geplanten Baugelände gegenüberliegenden Insel Iwaishima.

 

Quellen: 

 

https://www3.nhk.or.jp/lnews/yamaguchi/20191108/4060004233.html?fbclid=IwAR0vTb9or8nBltJoBmtATZX-yh7NjE0-d8HW2JM555Un9ikMM5lWiHHqZsg

https://www3.nhk.or.jp/lnews/yamaguchi/20191111/4060004249.html

https://this.kiji.is/566522620027520097?c=39546741839462401 

https://www.chugoku-np.co.jp/local/news/article.php?comment_id=584210&comment_sub_id=0&category_id=256

Websites der Atomkraftgegner:

http://touminnokai.main.jp

Hintergrund: 

https://www.andreas-singler.de/2018/12/13/einen-ort-der-durch-atomkraft-leuchten-würde-habe-ich-nicht-gefunden/

https://www.andreas-singler.de/proteste-gegen-atomkraft-反原発の抗議/iwaishima-insel-des-widerstands-gegen-das-geplante-akw-kaminoseki/

https://www.ebv-berlin.de/Sayonara-Atomkraft-Proteste-in-Japan-nach-Fukushima

 


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