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Radioaktivität und Schilddrüsenkrebs, Staats-Experten: "Kein Zusammenhang" / Ex-Premier Hatoyama widerspricht

 

Fukushima-Stadt, 3. Juni 2019: Am heutigen Montag tritt in Fukushima-Stadt ein Expertengremium der Präfektur Fukushima zusammen, um über den Stand der medizinischen Untersuchungen zur Entwicklung von Schilddrüsenkrebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu beraten, die zum Zeitpunkt des Atomunglücks von Fukushima 18 Jahre und jünger waren. Das Gremium wird sich zu den mittlerweile abgeschlossenen Untersuchungen der zweiten Untersuchungsrunde äußern, die nach dem Atomunglück durchgeführt wurde. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyôdô will das Gremium dabei Einschätzungen bestätigen, die bereits vor über einem Jahr im Rahmen der Zwischenberichterstattung vorgenommen worden sind: Danach sei ein Zusammenhang zwischen den deutlich erhöhten Schilddrüsenkrebserkrankungen in Fukushima mit dem Atomunfall von 2011 „schwer denkbar“ (kangaenikui). 

 

Die nach dem Atomunglück von Fukushima Daiichi bei den durchgeführten Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen, die zum Zeitpunkt des Unglücks unter 18 Jahren waren, erbrachten laut dem Zwischenbericht der zweiten Untersuchungsreihe 2014 und 2015, dass ein Zusammenhang zwischen der Strahlenexposition und der Krebsentwicklung nicht bestehe.  Die Expertenversammlung würde diese Befunde nun bestätigen.    

 

Anders als in der ersten Untersuchungsreihe, als das Ziel darin bestanden hatte, Fundamentaldaten zu sammeln, sei die zweite Untersuchungsreihe darauf ausgelegt, als „formelle Untersuchung“ den Einfluss des Unglücks auf Krebs zu untersuchen. Da diese erstmals nach diesem Design durchgeführt wurde, sollen sich daraus Auswirkungen auf künftige Untersuchungen ergeben. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Ärzteorganisation IPPNW den mit der Studie betrauten Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Fukushima vorgeworfen, durch verschiedene Maßnahmen „eine systematische Verzerrung der Testergebnisse“ und eine langfristige Entwertung der Studienergebnisse anzustreben. Die Studie befindet sich mittlerweile in der vierten Runde. 

 

Nach jüngsten Zahlen, die Daten der dritten und vierten Untersuchungsrunde miteinschließen, liegt die aktuelle Zahl an Schilddrüsenkrebs-Verdachtsfällen mittlerweile bei 212, davon sind 168 durch Operationen bestätigt (https://fukushimavoice-eng2.blogspot.com/2019/05/fukushima-thyroid-examination-april.html?m=1&fbclid=IwAR2hCDXLoAi27-dkM6Vd9zbJ8LEs6cvjk8YCxhCKgfkM0hJI9kB6etvB9TE).

 

Weltweit gab es gegen die Einschätzung der "Staatsexperten" starke Kritik. Widerspruch gegen die Interpretation der Daten durch die Studienbeteiligten und medizinisch-wissenschaftlichen Berater der Präfektur Fukushima kam nun einmal mehr von dem früheren japanischen Ministerpräsidenten Hatoyama Yukio, der sich seit dem Atomunfall von Fukushima immer wieder öffentlich gegen Atomkraft und die Art und Weise äußerte, wie der Atomunfall von der Regierung gehandhabt wird.  Über Twitter teilte der frühere Vorsitzende der mittlerweile implodierten Demokratischen Partei mit:  „Im Vergleich zu Kindern aus anderen Präfekturen ist die Auftretens-Wahrscheinlichkeit von Schilddrüsenkrebs überwältigend hoch. Es liegt auf der Hand, dass dies durch den Atomunfall verursacht ist. Dessen ungeachtet behauptet die Präfektur Fukushima, dass hohe Strahlenexposition nicht unbedingt zu einer Erhöhung der Krebserkrankungen führe und weist den Zusammenhang zwischen Atomunfall und Krebserkrankungen zurück. Es ist der Gipfel an wissenschaftlicher Spekulation.“ Hatoyama ist der Vorgänger von Kan Naoto, der während des Atomungücks von Fukushima Daiichi im Amt war.

 

Bereits Anfang April hatte Hatoyma wissenschaftlichen Einschätzungen widersprochen, wonach der Einfluss von Tritium auf den menschlichen Körper unschädlich sei. „Etwas, das ich von Ärzten gehört habe, die etwas von der Sache verstehen: Zu behaupten, Tritium wirke sich auf den Körper nicht schädlich aus, ist unsinnig. Tritium beeinflusst die DNA und ist Ursache für Gehirntumoren, Leukämie und andere Krebsarten. Der Grenzwert im Wasser beträgt nach EU-Verordnung 100 Becquerel, in den USA 700 Becquerel, dementgegen sind es in Japan unseriöser Weise 60.000 Becquerel. Es ist unsinnig, mit Tritium belastetes Wasser ins Meer abzulassen und zu behaupten, in verdünnter Form sei die Sicherheit gewährleistet.“

 

Quellen: 

 

https://www.minpo.jp/globalnews/moredetail/2019053101002263

 

https://this.kiji.is/507163719993279585

 

 

Stellungnahme IPPNW zu den Untersuchungen: 

 

http://www.ippnw.de/atomenergie/gesundheit/artikel/de/schilddruesenkrebs-in-fukushima-7-ja.html

 

 

Weitere Quellen: 

 

http://fmu-global.jp/download/thyroid-ultrasound-examinations-first-full-scale-thyroid-screening-program/?wpdmdl=3608

 

https://hayatori.wordpress.com/2014/06/25/dem-schilddrusenkrebs-auf-den-fersen-teil-1/

 

 

 


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