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"Wichtiger als Wiederaufbau": Olympiaminister Sakurada tritt zurück

Olympiaminister Sakurada Yoshitaka hat Premierminister Abe nach einem erneuten Kommunikations-Desaster am Abend des 10. April sein Rücktrittsgesuch übermittelt. Eine Abgeordneten-Kollegin aus Morioka sei für ihn wichtiger als der Wiederaufbau, sagte Sakurada. Abe nahm das Gesuch an und entschuldigte sich dafür, Sakurada als Minister zuvor ernannt zu haben. Der Weg des ehemaligen Staatsministers ist gepflastert mit verbalen Entgleisungen, die ihn nun selbst für liberaldemokratische Parteifreunde untragbar werden ließen. Sakurada ist aber längst nicht der einzige Ex-Minister in der Regierung Abe, dessen Äußerungen bisweilen tief blicken ließen.

 

Der für die Olympischen und Paralympischen Spiele zuständige Minister Sakurada Yoshitaka hat nur kurz nach einem peinlichen Versehen, bei dem er die von der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe besonders betroffene Stadt Ishinomaki in der nordostjapanischen Präfektur Miyagi, fälschlicherweise mehrfach „Ishimaki“ las, für einen erneuten Skandal gesorgt – der ihn nun sein Amt kostete. Bei einer Party seiner Parteikollegin, der Unterhausabgeordneten Takahashi Hinako (Morioka/Präfektur Iwate) erklärte Sakurada laut übereinstimmenden Medienberichten: „Die Abgeordnete Takahashi ist wichtiger als der Wiederaufbau, ich bitte Sie daher darum, sie zu unterstützen“ (Fukkô ijô ni daiji na no ga Takahashi-san na node, yoroshiku dôzo onagai shimasu復興以上に大事なのが高橋さんなので、よろしくどうぞお願いします). 

 

Nachdem er sich zuvor noch vor Journalisten zu rechtfertigen versucht und behauptet hatte, er könne sich an die Aussagen nicht erinnern, reichte er nach laut werdender Kritik wenige Stunden später am Amtssitz von Ministerpräsident Abe Shinzô sein Rücktrittsgesuch ein. Abe entschuldigte sich dafür, Sakurada überhaupt zum Minister gemacht zu haben - eine ungwöhnliche harsche Art, den Rücktritt eines Ministers entgegenzunehmen.

 

Sakuradas verbale Ungeschicklichkeiten haben Geschichte: Im Februar hatte der Minister mit Bemerkungen in Bezug auf die an Leukämie erkrankte Weltklasseschwimmerin Ikee Rikako unpassenderweise erlärt, er sei „enttäuscht“ (gakkari shite iru) und so den Eindruck erweckt, der Regierung gehe es bei den Olympischen Spielen alleine um sportlichen Erfolg.  

 

Kritik an den jüngsten Äußerungen war insofern zu erwarten, als der Wiederaufbau nach dem Beben und Tsunami 2011 von der Regierung Abe als Aufgabe von größter Wichtigkeit bezeichnet wird. Vor zwei Jahren sah sich der frühere Wiederaufbau-Minister Imamura wegen seiner Bemerkungen „Gut dass es Tôhoku getroffen hat“ (Tôhoku de yokatta) und vor der Atomkatastrophe von Fukushima „selbständig Geflüchtete sind künftig für sich selbst verantwortlich“ (Jishu hinansha wa jiko-sekinin de) zum Rücktritt gezwungen.

 

Nur Tage zuvor zuvor war der auch für Wiederaufbau zuständige stellvertretende Verkehrsminister Tsukuda Ichirô wegen umstrittener Äußerungen zurückgetreten. Das Ausscheiden Sakuradas aus dem Abe-Kabinett kurz darauf wird von regierungskritischen Medien als schwerer Schlag für die Abe-Regierung gewertet. 

  

Quellen: https://www.asahi.com/articles/ASM4B6VYTM4BUTFK01H.html

https://www3.nhk.or.jp/nhkworld/en/news/20190410_48/?fbclid=IwAR3JjyjRm3aHoXpU3ytsk5N4hSP9sMB7Qn2PdIKKKYzvp4a0MMFdPS8IWZY

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