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NHK-Umfrage: Wenig Gegenliebe für Tôkyô 2020 in Tôhoku

Nach einer Meinungsumfrage des Fernsehsenders NHK stoßen die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tôkyô in den von der Dreifachkatastrophe von 2011 besonderes betroffenen Regionen Iwate, Miyagi und Fukushima auf wenig Gegenliebe. Eine deutliche Mehrheit der Befragten gab an, dass Tôkyô 2020 keinen Rückenwind für die nordostjapanische Region Tôhoku darstellen würde.

 

 

 

Foto: Fukushimas Symbolfigur Kibitan animiert als olympischer Fackelträger in Kôriyama zum "Volkssport" (kokutai 国体) 

 

NHK: "Befragt, ob die Spiele für die von der Katastrophe betroffenen Regionen eine Hilfe bedeuten würden, sagen „überhaupt nicht“ 26,1 Prozent und 31,5 Prozent „kaum“, zusammen 57,6 Prozent. Das sind weit mehr als die 2,8 Prozent, die auf die Aussage mit „stimme zu“ und die 11,5 Prozent, die mit „stimme einigermaßen zu“ geantwortet haben."  

 

Dass die 2015 von der Regierung beschlossene Richtlinie, mit den Spielen der Welt auch den Wiederaufbau in den Katastrophengebieten demonstrieren zu wollen, verwirklicht werden kann, glauben 20,4 Prozent der Befragten nicht. „Eher nicht“, antworteten 28,2 Prozent (zusammen 48,6 Prozent). Nur 5,4 Prozent glauben das absolut, „einigermaßen“ glauben das 14,4 Prozent (zusammen 19,8 Prozent)." Nur 18,7 Prozent der von NHK Befragten stimmten der Aussage rückhaltlos zu, sich auf die Spiele zu freuen, 19,3 erklärten, sich einigermaßen zu freuen. 

 

Die negativen Haltungen gegenüber Tôkyô 2020 hängen anscheinend mit der von der Regierung postulierten Devise von den „Wiederaufbau-Spielen“ (fukkô gorin) zusammen. Mit 53,9 Prozent sagten die meisten, dass „Wiederaufbau-Spiele“ nicht mehr seien als ein „Werbeslogan“. 51,6 Prozent der Befragten erwarten von der Veranstaltung keine wirtschaftlichen Impulse, 51,3 Prozent, dass sich dadurch die erforderlichen Baumaßnahmen im Katastrophengebiet verzögern würden. 38,1 Prozent glauben, dass der Zeitpunkt der Veranstaltung inmitten des Wiederaufbaus zu früh komme. 34,5 Prozent sagen, sie hätten keine Zeit, über die Olympischen Spiele nachzudenken."

 

Im Rahmen der freien Formulierung habe ein 71-Jähriger aus Ichinoseki/Iwate angegeben, es gehe nur um Tôkyô,  und unter der Etikettierung „Wiederaufbauspiele“ würden die nordostjapanischen Katastrophengebiete zurückgelassen. Über solche Spiele könne man sich nicht rückhaltlos freuen. Ein 48-Jähriger, der aus Ôkuma-machi in der Präfektur Fukushima nach Aizu-Wakamatsu fliehen musste, schrieb: „Je mehr man sich mit Olympia beschäftigt, desto weniger konzentriert man sich auf die Katastrophengebiete.“

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