· 

JOC-Präsident Takeda sagt auch Teilnahme an OCA-Versammlung ab

Wie sehr Takeda Tsunekazu (71), der Präsident des Japanischen Olympischen Komitees (JOC) und Vizepräsident des Organisationskomitees für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tôkyô nach der Eröffnung eines offiziellen Ermittlungsverfahrens der französischen Justiz wegen Bestechungsverdachts unter Druck steht, legen jüngste Medienmeldungen über die Absage Takedas seiner Teilnahme an der Generalversammlung des Asiatischen Olympischen Rates (OCA) in Bangkok nahe. Takeda ist Vizepräsident des Asiatischen Olympischen Councils.

Über die Absage Takedas an der Generalversammlung, bei der auch der Vorstand neu gewählt wird, berichtete die Nachrichtenagentur Kyôdô am 1. März. Erinnert wurde in der knappen Meldung daran, dass Takeda erst im Januar seine Teilnahme an der Sitzung der Marketings-Kommission des IOC in Lausanne ohne Angabe von Gründen abgesagt hatte. IOC-Mitglied Takeda ist Vorsitzender der Marketing-Kommission und hätte das Treffen eigentlich leiten sollen. Er habe abgesagt, weil er in Europa eine Verhaftung aufgrund der förmlichen Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der aktiven Bestechung fürchte, so spekulierten danach viele. 

 

Seither wird in Japan offen über eine Ablösung Takedas als JOC-Präsident vor den Olympischen Spielen 2020 spekuliert. Laut der Zeitung Tôkyô Shimbun (16.02.2019) ist aufgrund der Ermittlungen der französischen Behörden gegen Takeda wegen des Verdachts der aktiven Bestechung im Zusammenhang mit der Olympiabewerbung für Tôkyô 2020 eine Rücktrittsdebatte entbrannt.

 

"So gibt es die Sorge, dass das Image des Komitees sich verschlechtern könnte, wenn im Juli Neuwahlen von Aufsichtsrat und Vorstand des JOC auf dem Programm stehen, ohne dass es dabei zu Veränderungen kommt. Als Nachfolger Takedas wird Yamashita Yasuhiro (*1957), der Präsident des Judo-Verbandes, gehandelt. Auch gibt es Bestrebungen, Takeda zum Ehrenpräsidenten zu befördern", so schreibt das Blatt. 

 

Zwar beteuere Takeda, der Präsident des Bewerbungskomitees war und einräumen musste, Millionenzahlungen an die Briefkastenfirma Black Tidings in Singapur für angebliche Beratungsleistungen abgesegnet zu haben, immer wieder seine Unschuld. Nicht Stimmenkauf über die Familie Diack sei Zweck der Zahlung gewesen, sondern legitime Beratungsleistungen des Kontoinhabers Tan - eines den Diacks in Korruption verbundenen Mittelsmannes, über dessen Bankkonto auch Zahlungen im russischen Dopingskandal abgewickelt worden waren. Es sei aber absehbar, dass die Untersuchungen lange Zeit andauern würden, und zu befürchten, "dass es womöglich nicht gelingt, die Zweifel an der Redlichkeit der Bewerbung noch vor den Olympischen Spielen wegzuwischen". Daher würden teilweise Zweifel daran stärker, dass Takeda auch in der nächsten Amtsperiode Präsident sein sollte. 

 

Takeda ist seit 2001 Präsident, derzeit begleitet er seine zehnte Amtszeit. Das JOC prüft laut dem Bericht der Tôkyô Shimbun derzeit in Bezug auf die Wiederwahl Takedas die Revision der Vorschriften zur Altersbegrenzung, nach der der Präsident zur Zeit der Berufung in sein Amt noch unter 70 Jahre alt sein sollte. "Während aber die Welt des Sports von fortgesetzten Skandal erschüttert wird und sich verstärkt mit Fragen der Governance (soshiki tôchi組織統治) auseinandersetzen muss, werden kritische Stimmen gegen die häufige Wiederwahl von Funktionären laut, die womöglich zur Erstarrung von Organisationen förmlich einlädt. Es ist absehbar, dass diese Debatte weiter an Fahrt aufnimmt."   

 

Für eine mögliche Nachfolge werde auch die Oberhaus-Abgeordnete Hashimoto Seiko (54) genannt, die Präsidentin der Eisschnelllauf-Union Japans. Es erscheine aber ambitioniert, sich zugleich als JOC-Präsidentin um die Olympischen Spiele zu kümmern und ihr Amt als Parlamentarierin zu versehen, so das Blatt weiter.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0